Terrorverdacht in der Bundeshauptstadt

Politik / 16.12.2019 • 22:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Offenbar sollte das erste Attentat den Christkindlmarkt am Wiener Stephansplatz treffen. APA
Offenbar sollte das erste Attentat den Christkindlmarkt am Wiener Stephansplatz treffen. APA

Tschetschene hat angeblich vom Gefängnis aus Anschlagserie geplant.

wien Drei gebürtige Tschetschenen sollen zwischen Weihnachten und Neujahr einen terroristischen Anschlag in der Bundeshauptstadt geplant haben. Treibende Kraft war APA-Recherchen zufolge ein 24-jähriger Mann, der zuletzt in der Justizanstalt (JA) Hirtenberg untergebracht war. Er soll vom Gefängnis aus zunächst seinen Ausbruch und anschließend eine ganze Anschlag-serie geplant haben. Dem behördlich unbestätigten Ermittlungsstand zufolge war zunächst ein Sprengstoffanschlag in der Wiener Innenstadt vorgesehen. Konkret sollte er den Weihnachtsmarkt am Stephansplatz betreffen. Danach hätten weitere Attentate in Salzburg, Deutschland, Frankreich und Luxemburg folgen sollen.

IS-Sympathisant

Der 24-Jährige wurde mittlerweile in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Er gilt als Sympathisant der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das Landesgericht Korneuburg hatte ihn wegen terroristischer Vereinigung zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Ein anonymer Hinweisgeber brachte die Strafverfolgungsbehörden und den Verfassungsschutz offenbar auf die Spur der drei Männer. Umfangreiche Ermittlungen, Telefonüberwachungen und Observationen erhärteten die Verdachtslage, die schließlich zur Festnahme der auf freiem Fuß befindlichen Komplizen führte – wegen „Gefahr im Verzug“, wie am Montag aus Justizkreisen zu erfahren war. Als Haftgründe wurden vom Landesgericht Wiener Neustadt bei den bisher unbescholtenen Männern im Alter von 25 und 31 Jahren Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr, Tatbegehungs- sowie Tatausführungsgefahr angenommen, teilte Gerichtssprecherin Birgit Borns mit. In formaler Hinsicht laufen die Ermittlungen in Richtung terroristischer Vereinigung. Die Causa wird als Verschlussakt geführt. Sowohl die Strafverfolgungsbehörden als auch das Innenministerium reagierten auf Anfragen entsprechend zurückhaltend und gaben sich bedeckt, zunächst auch auf die Frage, ob es nun verstärkte Sicherheitsvorkehrungen gebe. Wie konkret die Anschlagspläne gediehen waren, ließ sich nicht eruieren.

Florian Kreiner, der Anwalt des 31-Jährigen, wies die Verdächtigungen gegen seinen Mandanten zurück. „Da ist überhaupt nichts dran“, versicherte er. Sein Mandant habe mit dem IS nichts zu tun. Der 25-Jährige wiederum ist in der Wiener Kampfsport-Szene ein Begriff. Auch sein Verteidiger Wolfgang Blaschitz hält die Beweislage für dürftig: „Was die behaupteten Anschlagspläne betrifft, hat es keine Vorbereitungshandlungen gegeben.“