VN-Interview mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen: „Hainburg war eine Zäsur“

Politik / 19.12.2019 • 07:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
"Hainburg war eine Zäsur in der Republik, die alle Parteien beeinflusste", sagt Bundespräsident Alexander Van der Bellen den VN. <span class="copyright">APA</span>
"Hainburg war eine Zäsur in der Republik, die alle Parteien beeinflusste", sagt Bundespräsident Alexander Van der Bellen den VN. APA

Bundespräsident Alexander Van der Bellen über die Proteste in der Hainburger Au und deren Verbindung mit Fridays For Future.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Eine bunt gemischte, kreative, politische und breit aufgestellte Gruppe habe vor genau 35 Jahren mit den Protesten gegen das geplante Kraftwerk in der Hainburger Au für eine politische Zäsur in der Zweiten Republik gesorgt, sagt Bundespräsident Alexander Van der Bellen im VN-Gespräch. Die Jugendbewegung Fridays for Future sei die Enkelgeneration dieser Bewegung; nur diesmal weltweit vernetzt.

Wie haben Sie die Protestbewegung erlebt?

Der Widerstand gegen die Zerstörung der Hainburger Au war nach der Diskussion um das Atomkraftwerk Zwentendorf das zweite kräftige Aufflammen der Umweltbewegung. Für mich war verblüffend, mit welch Unverständnis ein großer Teil des damaligen Establishments auf die Vorgänge reagierte. Sie wollten oder konnten nicht verstehen, dass der Erhalt der Natur ein wichtiger Wert ist.

Was hat das Projekt Sternmarsch und die Besetzung der Au in Österreich verändert?

Hainburg war eine Zäsur in der Republik, die alle Parteien beeinflusste. Die Bürgerinnen und Bürger zeigten, dass sie bereit sind, sich zu engagieren. Bürgerbeteiligung war damals ein weitgehend unbekanntes Wort und ist heute mehr oder weniger Selbstverständlichkeit. Ökologie war damals ein weitgehend unbekanntes Wort und ist heute ebenso Selbstverständlichkeit. Die Klimakrise ist endlich weltweit in aller Munde. Und die Jugendbewegung Fridays For Future ist die Enkelgeneration der damaligen Bewegung. Nur diesmal weltweit vernetzt.

Was sollte uns das 35-jährige Jubiläum in Erinnerung rufen?

Der Staat ist für die Bürgerinnen und Bürger da. Er ist verantwortlich für das Wohl aller. Und: Es gibt Bewegungen, die sensibel große, heraufkommende Entwicklungen wie die Klimakrise aufzeigen. Heute ist nahezu allen klar, dass wir effektive Maßnahmen gegen die Klimakrise setzen müssen. Denn wir wollen, dass auch unsere Kinder und Enkel noch eine lebenswerte Welt vorfinden.