„Jetzt muss es weitergehen“

Politik / 20.12.2019 • 19:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Abschaltung sorgt für verhaltene Freude bei Hildegard Breiner.

Schwarzach Wer in Vorarlberg über Proteste gegen Atomkraftwerke spricht, kommt an Hildegard Breiner nicht vorbei. Seit jeher engagiert sie sich für saubere Energie. Im VN-Interview blickt sie zurück und nach vorne.

 

Mühleberg ist aus. Ist das eine gute Nachricht?

Breiner Natürlich. Das Aber folgt sogleich. Mühleberg wurde wie Beznau 2 im Jahr 1971 gebaut. Beznau 1 ist sogar zwei Jahre älter. Und bei Beznau spricht man überhaupt nicht von Abschaltung, im Gegenteil. Zehn Jahre Laufzeit sollen noch dazu kommen. Das sind die Wermutstropfen dieser Freude, die ohnehin sehr verhalten ist. Aber es ist ein Anfang. Jetzt muss es weitergehen.

 

In Mühleberg hat die Arbeit ja auch erst begonnen.

Breiner Eben! Das wird immer verschwiegen. Ich habe zwischen rund einer und bis zu zwei Milliarden Franken Kosten für den Abbau gehört. Das ist natürlich nicht im Strompreis inbegriffen, sondern wird schön von der Öffentlichkeit bezahlt. Obwohl zu Beginn schon klar ist, dass diese Kosten kommen. Außerdem stellt sich die Frage: Wohin mit dem Zeug? Zwar ist nur der geringere Teil hochverstrahlt, aber auch die mittel- und schwachradioaktiven Abfälle sind nicht zu verachten. Es ist vollkommen unklar, wohin damit.

 

Wie steht‘s um die weiteren Kraftwerke in der Umgebung?

Breiner Das ist vollkommen verantwortungslos. Leibstadt ist das jüngste der fünf Schweizer Atomkraftwerke. Vor Kurzem war es drei Jahre lang abgestellt, weil man gesagt hat, es sei zu desolat, um ans Netz zu gehen. Dann hat man es vor ungefähr einem Jahr wieder ans Netz gelassen.

 

Wie kann Vorarlberg dagegen vorgehen?

Breiner Wir haben es schon auf alle möglichen Arten versucht. 2012 haben wir eine Klage eingereicht, das Land und alle Parteien waren dabei. Die Klage ist abgewiesen worden. Sonst haben wir keine rechtlichen Möglichkeiten. Nur der Druck der Öffentlichkeit kann helfen, den sämtliche Parteien in Vorarlberg bisher immer unterstützten.

 

Warum ist in Vorarlberg die Front gegen Atomkraft so groß?

Breiner Wenn hier nicht 85 Prozent gegen Zwentendorf gestimmt hätten, sondern 60 Prozent, wäre es sich nicht ausgegangen. Ich muss ein Loblied anstimmen. Seit Rüthi sind die VN auf Anti-Atom-Linie und haben die Bevölkerung aufgeklärt. Das ist wichtig. Ich vergleiche Atomkraft immer mit einem Flugzeug: Wenn es startet, aber man noch keine Ahnung hat, wo es landen soll und ob es je wieder herunterkommt, sollte man es nicht starten lassen. Bei der Endlagerung ist es das Gleiche. Wir machen Müll, der noch 35.000 Generationen strahlt.