Von Atomkraftwerken umgeben

Politik / 21.12.2019 • 07:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das AKW Mühleberg wurde nun abgeschaltet. Doch rund um Vorarlberg gibt es immer noch einige Atomkraftwerke. APA

Fünf Atomkraftwerke liegen nicht weit von der Vorarlberger Grenze entfernt.

Seit der Zwentendorf-Volksabstimmung 1978 ist klar: Österreich verzichtet auf Atomkraftwerke. Diese Haltung ändert nichts an der Tatsache, dass es mehrere AKW in der Nähe gibt. In Vorarlberg sind das in erster Linie die Schweizer Meiler in Leibstadt und Beznau im Kanton Aargau. Sie liegen gerade einmal 110 beziehungsweise 100 Kilometer von der Landesgrenze entfernt. Etwas weiter weg, nämlich 130 und 175 Kilometer, befinden sich die Kernkraftwerke Gösgen im Kanton Solothurn und Mühleberg westlich bei Bern. Letzteres wurde nun abgeschaltet. Auch deutsche Kraftwerke sind in der Nähe: Da ist das AKW Grundremmingen in Bayern (etwa 110 Kilometer entfernt) und das AKW Neckarwestheim in Baden-Württemberg (rund 160 Kilometer). Vorarlberg ist also mehr oder weniger von Kernkraftwerken umkreist. Global 2000 zufolge sind darunter – Mühleberg mit einberechnet – sieben Hochrisikoreaktoren.

Hoher Zulauf für VN-Aktion

Hierzulande ist die Skepsis groß, wenn es um die Atomenergie geht. Spätestens seit dem Widerstand gegen die geplanten AKW Rüthi und Zwentendorf hat sich eine starke Anti-Atom-Bewegung formiert. Unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 unterzeichneten 90.000 Menschen die VN-Aktion „Vorarlberg gegen Atomkraft“, die auch vom Land unterstützt wurde. Die Aktion forderte ein Aus für alte Hochrisikoreaktoren in Europa, den Ausstieg aller europäischen Länder aus der Atomkraft und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Der frühere VN-Chefredakteur Christian Ortner und Ex-Landeshauptmann Herbert Sausgruber übergaben dem damaligen Kanzler Werner Faymann und Ex-Umweltminister Nikolaus Berlakovich das Votum.

Zumindest bei den Nachbarn hat sich ein Umdenken eingestellt. Auslöser war die Katastrophe in Fukushima. Unter Führung der deutschen Kanzlerin Angela Merkel fällte die Bundesregierung 2011 einen folgenreichen Beschluss: Die AKW werden gestaffelt abgeschaltet. Die letzten Anlagen gehen spätestens 2022 vom Netz. Darunter ist Neckarwestheim. Der Bundestag stimmte zu. 2011 beschloss auch die Schweizer Regierung den Ausstieg aus der Atomenergie. Allerdings nicht sofort. Das neue Energiegesetz wurde 2017 von einer Mehrheit in einer Volksabstimmung bestätigt. Demnach ist der Bau neuer Atomkraftwerke untersagt. Die bestehenden AKW bleiben so lange am Netz, wie sie als sicher eingestuft werden.