Große Probleme und ein riesengroßes

Politik / 22.12.2019 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Preisfrage: Was sind zur Zeit die großen Probleme der Welt? Brexit, Terrorismus, „Asylbewerberflut“, Kriegsgefahr in Europa? Vielleicht auch noch ein paar durchgeknallte Staatenlenker, Faschismusgefahren, bedrohte Umwelt, Altersarmut, etc.?

Natürlich sind das alles Probleme. Reale und manchmal auch nur marginale. Je nachdem wer sich sorgt oder wie man das sieht oder sehen will. Aber da gibt des noch etwas, über das in Parlamenten, an Stammtischen und zuhause nicht viel geredet wird. Nicht in der Vorweihnachtszeit und auch nicht groß hinterher: Über den Hunger in der Welt und seine Folgen.

Gerade noch rechtzeitig zu den Festtagen in den sogenannten Wohlstandsländern veröffentlichte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen die alljährliche Statistik über Hunger und Sterben. Schon gelesen? Im vergangenen Jahr musste jeder siebte Erdenbewohner ständig Hunger leiden. Macht 1,1 Milliarden Leidende hauptsächlich in sub-Sahara-Afrika und Asien. Opfer, die deshalb statistisch durchschnittlich 10 bis 20 Jahre früher starben als Nicht-Hungerleidende.

Und noch ein paar Zahlen: Die Folgen des Dauer-Hungers töteten seit 1990 mehr als 250 Millionen Kinder unter fünf Jahren. 2018 allein sechs Millionen. Jede Minute des Jahres mehr als 11 Kinder. Sie sind nicht „friedlich eingeschlafen“, sondern meist qualvoll gestorben. Und ein paar Millionen weiterer Kinder erlebten ihren fünften Geburtstag wegen unzureichender medizinischer Versorgung und Mangel an Medikamenten nicht.

Die Regierungen der Welt, Institutionen der Vereinten Nationen und andere Hilfsorganisationen unternahmen vielfältige Anstrengungen, das Problem des Massensterbens durch Hunger in den Griff zu bekommen. Voraussichtlich wird in den kommenden Jahren auch etwas weniger gestorben. Aber gelöst ist das Problem noch lange nicht. Es fehlt an Geld, nachdem etliche Regierungen ihre Mittel für den Kampf gegen den Hunger in der Welt kürzten. Auch die UNO knapp bei Kasse, weil der amtierende US-Präsident diverse Beitragszahlungen verweigert.

Nach Schätzungen von UNO-Experten könnte das Hungersterben von sechs Millionen Kindern auf der Welt mit weniger als sechs Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 5,4 Milliarden Euro) pro Jahr verhindert werden. Das wären etwa 900 Euro pro gerettetes Kind. Wenn sich nur die Regierungen der reichsten Länder der Erde mit – sagen wir – zwei Milliarden Bewohnern zusammensetzten, müssten sie jährlich nur 2,70 Euro pro Einwohner zur Lebensrettung von 6 Millionen Kindern ausgeben. Ist das zu viel verlangt?

Zum Schluss noch das: Die durchschnittliche Lesezeit für diesen Kommentar beträgt etwa drei Minuten. Und in dieser Zeit sind in den ärmsten Ländern der Welt statistisch gerade wieder 34 Kinder verhungert.

„Der Hungertod von sechs Millionen Kindern könnte mit weniger als sechs Milliarden Dollar pro Jahr verhindert werden.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at