Knappes Rennen in Kroatien

Politik / 22.12.2019 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Präsidentin Grabar-Kitarovic will im Amt bleiben. Sie kam am Sonntag gemeinsam mit ihrem Ehemann Jakov zur Wahl.REUTERS
Präsidentin Grabar-Kitarovic will im Amt bleiben. Sie kam am Sonntag gemeinsam mit ihrem Ehemann Jakov zur Wahl.REUTERS

Präsidentschaftswahl gehen nach knappem Ergebnis in Stichwahl.

Zagreb Wer Präsident oder Präsidentin Kroatiens wird, entscheiden die Wähler in einer Stichwahl am 5. Januar. Bei der Abstimmung am Sonntag gewann keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit, wie die staatlichen Wahlbehörden nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen meldeten. Der linksgerichtete frühere Ministerpräsident Zoran Milanovic (53) kam in der ersten Runde auf nahezu 30 Prozent, die konservative Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic (51) erreichte fast 27 Prozent. Auf Platz drei landete der rechtsgerichtete Sänger Miroslav Skoro (57) mit etwa 24 Prozent. Bei der Abstimmung am Sonntag waren annähernd 3,8 Millionen Kroaten wahlberechtigt. Trotz schlechten Wetters verzeichneten die Behörden eine höhere Wahlbeteiligung als bei der Abstimmung 2014. Bis zum Nachmittag hatten etwa 100.000 Wähler mehr ihre Stimme abgegeben als vor fünf Jahren.

Duell im rechten Lager

Nach seiner Stimmabgabe hatte Milanovic bereits eine Stichwahl vorhergesagt. „Wir haben alles getan, was wir konnten, ich habe mein Bestes gegeben“, sagte er. Grabar-Kitarovic erklärte bei ihrem Votum: „Wir entscheiden, in welche Richtung Kroatien gehen wird.“ Die Präsidentin ging mit dem Slogan „Präsidentin. Weil es Kroatien weiß“ als klare Favoritin in den Wahlkampf, hat ihren deutlichen Vorsprung im Lauf der Zeit allerdings verloren, vor allem weil ihr mit Skoro ein starker Konkurrent im rechten Lager erwuchs. Milanovic hatte hingegen im linken Lager keine starke Konkurrenz und konnte so vom Kampf im rechten Lager profitieren.

Zeremonielles Amt

Das Präsidentenamt in Kroatien ist größtenteils zeremoniell. Der Präsident oder die Präsidentin hat den Oberbefehl über das Militär und repräsentiert das Land im Ausland. Für die regierende Partei Kroatische Demokratische Union (HDZ) ist es wichtig, dass sie die Präsidentschaft behält, da die Regierung am 1. Januar den EU-Ratsvorsitz übernehmen soll. Dazu gehören eine Begleitung des voraussichtlichen Brexits am 31. Januar und der Beginn von Verhandlungen für die Zeit nach dem EU-Austritt Großbritanniens. Kroatien ist das bislang neueste EU-Mitgliedsland.

Kritiker haben die Regierung dafür kritisiert, die Präsidentschaftswahl wenige Tage vor Weihnachten anzusetzen, wenn viele Personen ins Ausland reisen. Die Regierungspartei HDZ zähle auf die Unterstützung von Kroaten, die im Ausland lebten und normalerweise für Weihnachten nach Hause kämen.

„Wir entscheiden mit dieser Wahl, in welche Richtung Kroatien gehen wird.“