Wer Kurz stärker macht

Politik / 22.12.2019 • 22:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kurz mit seinen Vertrauten: Blümel (v.l.) und hinter ihm Sprecher Frischmann, Schramböck, Köstinger und hinter ihr Fleischmann, Wöginger, und hinter ihm Steiner und Bonelli. APA
Kurz mit seinen Vertrauten: Blümel (v.l.) und hinter ihm Sprecher Frischmann, Schramböck, Köstinger und hinter ihr Fleischmann, Wöginger, und hinter ihm Steiner und Bonelli. APA

Nicht nur seine Fähigkeiten erklären den bisherigen Erfolg, sondern auch sein Team.

WIEN Über die Fähigkeiten von Sebastian Kurz sind schon Bücher geschrieben worden. Die Art und Weise beispielsweise, wie er redet. Rhetorisch sei er all seinen Mitbewerbern überlegen, stellte der Autor Thomas Albrecht in einem 304 Seiten starken Buch fest. Allein hätte Kurz aber wohl kaum zu dem werden können, was er schon geworden ist: 2011 Integrationsstaatssekretär, 2013 Außenminister und 2017 ÖVP-Bundesparteiobmann sowie Kanzler. Das hat er auch einem beständigen Team zu verdanken, das loyal, konzentriert und zumindest in Macht- und Strategiefragen hochkompetent ist.

Die vier im Hintergrund

Wo soll man anfangen? Kurz ist umgeben von Stefan Steiner, der sich überlegt, was wie anzulegen ist, Bernhard Bonelli, der sich um die Umsetzung kümmert, Gerald Fleischmann, der die Vermittlung gegenüber der Öffentlichkeit komponiert und Philipp Maderthaner, der die Wahlkampagnen checkt.

Was auffällt: Sie alle gehören derselben Generation an wie ihr Chef und sind schon lange verbunden mit ihm. Steiner war bereits Referent im Innenministerium gewesen, als Kurz ebendort als Integrationsstaatssekretär klein anfing; er wurde dessen Bürochef. Dem 41-Jährigen wird zugeschrieben, dafür verantwortlich zu sein, dass Kurz infolge der Flüchtlingskrise auf einen restriktiven Kurs umgeschwenkt ist. Zwischen die beiden passt nach wie vor nichts. Auch bei den laufenden Koalitionsverhandlungen zählt Steiner zum engsten Kreis um Kurz.

Bernhard Bonelli und der ÖVP-Obmann haben einander vor vielen Jahren im Zuge eines „Forum Alpbach“ kennengelernt. Bonelli zog es dann zu einem internationalen Beratungsunternehmen, von wo ihn Kurz 2017 in sein Team holte. Vor einem Jahr wurde er schließlich Kabinettchef des damaligen Kanzlers. Das ist eine der ganz mächtigen Funktionen in der Republik, die der 36-Jährige auch voll ausfüllte: Kaum eine Entscheidung kam ohne sein Zutun zustande.

Gerald Fleischmann war einst Pressesprecher von Integrationsstaatssekretär Kurz: Wie kein anderer dieser Branche hat er seinen Job ernst genommen und nach Berichten, die seines Erachtens unbotmäßig waren, Journalisten kontaktiert, um ihnen das auch sehr deutlich mitzuteilen. Heute kümmert er sich eher um das große Ganze im Sinne von Sebastian Kurz.

Philipp Maderthaner ist einer der erfolgreichsten „Campaigner“ im deutschsprachigen Raum. Er hat sein eigenes Unternehmen, das Kampagnen durchführt und ist mit Kurz persönlich befreundet. Naheliegenderweise gehen denn auch die türkisen Nationalratswahlkämpfe 2017 und 2019 auf den 38-Jährigen zurück. Das Ergebnis ist bekannt.

Von Köstinger bis Blümel

Das Team Kurz ist noch größer, Steiner und Co. bilden quasi nur den Teil, der eher unsichtbar im Hintergrund werkt. Auch Axel Melchior, ein Kurz-Mitstreiter der ersten Stunde aus den Reihen der Jungen ÖVP, gehört dazu. Der 38-Jährige ist mittlerweile Bundesgeschäftsführer der Partei.

Sichtbar auf der Bühne stehen drei weitere Vertraute: Elisabeth Köstinger, die auf Kurz‘ Wunsch hin schon einmal als Übergangslösung für wenige Wochen das Amt der Nationalratspräsidentin bekleidet und sich dafür auch attackieren lässt (im Jahr 2017). Die 41-Jährige war zuletzt Umwelt- und Landwirtschaftsministern. In zumindest letzterer Funktion könnte sie der Regierung weiterhin angehören und dort unter anderem auch auf die Kurz-Leute Gernot Blümel (bisher Kanzleramtsminister) und Karl Nehammer stoßen – der ÖVP-Generalsekretär ist als Innenminister im Gespräch. JOH