120.000 illegale Einreisen

Politik / 26.12.2019 • 22:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Zahl der Migranten aus Afghanistan nimmt wieder zu.RTS
Die Zahl der Migranten aus Afghanistan nimmt wieder zu.RTS

Frontex verzeichnet starken Rückgang an unerlaubten Übertritten der EU-Außengrenze.

Berlin Die Zahl der unerlaubten Grenzübertritte an den EU-Außengrenzen ist nach Angaben der europäischen Grenzschutzagentur Frontex 2019 stark gesunken. Bis Jahresende dürften rund 120.000 illegale Einreisen in die Europäische Union gezählt werden, schätzt Frontex-Direktor Fabrice Leggeri. Im Vergleich zum Vorjahr seien das um rund zehn Prozent weniger, sagt er der „Welt“. Noch deutlicher ist der Rückgang im Vergleich zu 2015, als Frontex 1,2 Millionen irreguläre Grenzübertritte registriert hatte.

Frontex soll in den kommenden Jahren mehr Personal bekommen. Derzeit ist der Aufbau einer Reserve von 10.000 Einsatzkräften bis 2027 geplant.

Migrationsdruck bleibt

„Die Zahlen sind aktuell zwar geringer, der Migrationsdruck nach Europa bleibt aber gewaltig“, sagt Leggeri weiter. „Außerdem beschäftigen uns die vielen Migranten, die in den vergangenen Jahren in die EU gekommen sind.“ Relativ viele reisten innerhalb des eigentlich grenzkontrollfreien Schengen-Raums weiter. „Sie stellen in mehreren Mitgliedsstaaten Asylanträge. Das verstößt gegen die EU-Regeln.“ Zudem gebe es immer noch Probleme mit Rückführungen. Hier wolle Frontex helfen.

Außerdem würden weiterhin nicht alle Asylbewerber bei der Einreise registriert. „Viele nutzen dann die Chance und ziehen weiter in ihr Wunschland“, kritisiert der Chef der Grenzschutzagentur. Nach den Dublin-Regeln ist normalerweise jenes Land für einen Asylbewerber zuständig, in dem dieser zuerst europäischen Boden betreten hat.

Für die steigenden Zahlen Schutzsuchender, die aus der Türkei in die EU kommen, sieht Leggeri mehrere Gründe: „Die Türkei setzt mittlerweile ihre Wohnortzuweisung konsequent durch. Viele Migranten wollen sich das aber nicht vorschreiben lassen und machen sich jetzt auf nach Westen.“ Zudem sei die Zahl der Afghanen deutlich gestiegen. „Dabei handelt es sich nicht nur um Personen, die aus ihrer Heimat fliehen.“ Es gebe auch viele Afghanen, die im Iran gearbeitet, aber im Zuge der Wirtschaftskrise ihren Job verloren hätten. Im Iran leben laut UNHCR etwa eine Million registrierte afghanische Flüchtlinge. Nach Schätzungen sollen sich dort weitere zwei Millionen Afghanen im Land aufhalten.

Verteilung unklar

In der Diskussion über eine Aufnahme minderjähriger Migranten aus griechischen Lagern meldet sich unterdessen der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn zu Wort. Ein Alleingang einiger weniger Staaten reiche nicht aus, sagt er dem „Spiegel“. Bei den unbegleiteten Minderjährigen in den griechischen Lagern gehe es um höchstens 4000 Personen. 

Die EU wird sich nicht einig über eine Verteilung ankommender Migranten. Nach jüngsten Angaben der EU-Kommission waren auf den „Hotspot-Inseln“ Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos zuletzt 1922 unbegleitete Minderjährige registriert (Stand 20. Dezember). In ganz Griechenland waren es Ende November 5276. Davon sind neun Prozent jünger als 14 Jahre und 92 Prozent männlich.

Weniger Ankünfte in Italien

Die meisten Migranten gelangten in diesem Jahr über die Ägäis nach Europa. Die Zahl jener, die Italien auf dem Seeweg erreichen, hat sich im Vergleich zu 2018 halbiert. Gegenüber 2017 ergibt sich ein Rückgang um rund 90 Prozent, wie die Statistik des Innenressorts in Rom zeigt. Demnach landeten bis 24. Dezember 2019 fast 11.500 Migranten an den italienischen Küsten. Die meisten (2654) kamen aus Tunesien, Pakistan (1180) und von der Elfenbeinküste (1135).