Lichtblicke statt Trübnis

Politik / 29.12.2019 • 22:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zum Jahreswechsel wird immer wieder das Eugen Roth-Zitat aus der Kiste geholt: „Ein Mensch erblickt das Licht der Welt, doch oft hat sich herausgestellt, nach manchem trüb verbrachten Jahr, dass dies der einzige Lichtblick war“. Natürlich können sich auch Dichter irren. Und Journalisten sowieso. Wie der Schreiber dieser Zeilen, der vor drei Jahren den sicheren Wahlsieg von Hillary Clinton prognostizierte.

Aber ganz so pessimistisch wie Roth müssen wir an der Schwelle zum Jahr 2020 auch nicht sein. Feiern wir doch einfach geschlagene 75 Jahre ohne Vernichtungskrieg in Europa. Die Zeit von 1918 bis 1939 war nur 21 Jahre lang weltkriegsfrei. Und nach den amerikanischen Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki in Japan sind bald auch 75 Jahre keine nuklearen Sprengsätze mehr kriegsmäßig eingesetzt worden. Getrübt wird der 75-Jahre-Lichtblick natürlich von der russischen Krim-Annektierung und vielen anderen Kriegen anderswo in den letzten mehr als sieben vergangenen Jahrzehnten: Unter anderem in Korea, Vietnam, Irak und Nahost.

Auch sonst ist an viele getrübte Lichtblicke in vergangener Zeit zu erinnern: Vor 50 Jahren einigten sind „die Länder der Welt“ auf den Atomwaffensperrvertrag, 1972 auf ein weltweites Verbot biologischer Waffen, und 1997 wurden chemische Waffen geächtet. Was etliche Signatarstaaten aber nicht darin hinderte, fleißig gegen Bestimmung und Sinn der Verträge zu verstoßen.

Einige Staaten, wie die USA, betrieben in den langen Friedensjahren ein stürmisches Aufrüsten ihrer Nuklearwaffenarsenale. Ein paar bislang atomwaffenfreie andere Länder fingen mit dem Bomben-Basteln an. Und Bürgerkriegs-Diktatoren wie Syriens Assad veranstalteten Biowaffen-Massenmord an der eigenen Bevölkerung.

Die Suche nach neuen Massentötungs-Möglichkeiten ging in den vergangenen relativen Friedenszeiten munter weiter. Glücklicherweise aber auch die oft erfolgreiche Suche nach Chancen zur Lebensverbesserung. Dank medizinischer Fortschritte und besseren Bildungsmöglichkeiten ist die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in den letzten Jahrzehnten dramatisch gestiegen. Und lobpreisen können wir Jene, die sich in allen möglichen Bereichen für bessere Lebensbedingungen einsetzen. Seien es 16Jährige, Jüngere oder Ältere, Mandatsträger oder einfach nur „gute Menschen“.

Der Wunsch fürs Jahr 2020 wäre: Fordern, fördern und konzentrieren wir uns doch auf viele Lichtblicke und lassen neue einfach Realität werden. Fast alle von uns haben es in der Hand, mit eigenem mitmenschlichem Verhalten im täglichen Leben, Zuhause, am Arbeitsplatz oder im Wahllokal; mit Zivilcourage und mit Dankbarkeit fürs Gute, ein „trüb verbrachtes Leben“ zu verhindern. Es lohnt sich.

„Einige Staaten, wie die USA, betrieben in den langen Friedensjahren ein stürmisches Aufrüsten ihrer Nuklearwaffenarsenale.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at