Neue Harder Gemeindechefin im VN-Interview: „Bin überzeugt, dass ich es kann“

Politik / 30.12.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
"Dass Harald Köhlmeier persönlich verletzt war und manches nicht gut gelaufen ist, wird bei der Lektüre seines Rücktrittsschreibens deutlich", sagt die neue Harder Bürgermeisterin Evi Mair. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
"Dass Harald Köhlmeier persönlich verletzt war und manches nicht gut gelaufen ist, wird bei der Lektüre seines Rücktrittsschreibens deutlich", sagt die neue Harder Bürgermeisterin Evi Mair. VN/Stiplovsek

Evi Mair (62), neue Bürgermeisterin der Marktgemeinde Hard, stand den VN im Rahmen eines Interviews Rede und Antwort.

Hard In der Politik können sich Gegebenheiten über Nacht verändern. Davon weiß die bisherige Harder Vizegemeindechefin Eva Mair ein Lied zu singen. Nach dem abrupten Rücktritt von Harald Köhlmeier als Bürgermeister am 6. Dezember musste die dreifache Mutter in die Rolle des Gemeindechefs schlüpfen. Die VN sprachen mit Eva Mair, die im März 2020 als Spitzenkandidatin der VP in die Bürgermeisterdirektwahl geht.

Frau Bürgermeister, Hand aufs Herz: Waren Sie vom Rücktritt Harald Köhlmeiers überrascht oder hatten Sie ihn erwartet?

Nein, das hatte niemand erwartet. Ich hatte zwar schon bemerkt, dass er ein wenig angeschlagen ist. Dass Harald aber diesen Schritt setzt, hätte ich nicht gedacht. Ich befand mich mit Freunden auf einem Kurzurlaub in Deutschland und wurde von Harald per Telefon über seinen Rückzug informiert.

War die plötzliche Amtsübernahme für Sie ein Sprung ins kalte Wasser oder pflegen Sie täglich Kontakt mit Ihrem Vorgänger?

Das was mehr als ein Sprung ins kalte Wasser, ich würde eher von einem Untertauchen sprechen. Ich habe zu keiner Zeit damit gerechnet, Bürgermeisterin zu werden. Jetzt macht es mir Spaß, jeden Tag ins Rathaus zu gehen und ich fühle mich gut in meiner neuen Rolle.

Bei der Volksabstimmung zum Durchstich am Seeufer haben mehr als 80 Prozent Nein gesagt. Ist das Thema damit endgültig im Papierkorb?

Wenn Harder Bürger mit einer solchen Mehrheit gegen ein Vorhaben, das übrigens nicht beschlossen war, stimmen, dann ist das zu respektieren. Ich kann mir nicht vorstellen, weiter am Durchstich festzuhalten. Der Durchstich ist ein Tabu. Was Uferplanung und Sanierung des Strandbads anbelangt, so wird sich die neue Gemeindevertretung, wie immer diese auch ausschauen mag, nach der Wahl im März 2020 damit befassen.

War das Abstimmungsergebnis aus Ihrer Sicht der Hauptgrund für den Abgang Harald Köhlmeiers?

Dass Harald persönlich verletzt war und manches nicht gut gelaufen ist, wird bei der Lektüre seines Rücktrittsschreibens deutlich. Ausschlaggebend war das Abstimmungsergebnis meiner Meinung nach aber nicht.

Provokant gefragt: Was hat Sie dazu motiviert, im Alter von 62 Jahren diese Funktion zu übernehmen?

Natürlich ist das Alter ein Thema, keine Frage. Ich habe auch überlegt und mit meinem Mann Gespräche geführt. Würde er nicht hinter meiner Entscheidung stehen, hätte ich das Amt nie angenommen. Letztendlich waren viele positive Rückmeldungen und die Überzeugung, dass ich es kann, ausschlaggebend. So gesehen habe ich mich selbst motiviert.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Ich kann gut zuhören, kann mich aber auch genauso gut durchsetzen. Ich pflege einen verbindenden und wertschätzenden Stil. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch ein klares Nein sagen kann.

Wo unterscheiden Sie sich von Ihrem Vorgänger, und was wird sich unter einer Bürgermeisterin Mair ändern?

Mein Angebot an alle Fraktionen steht. Ich werde alles versuchen, um mit allen eine Gesprächsbasis auf Augenhöhe zu schaffen. Es geht um Hard, das muss allen bewusst sein, dann dafür sind auch alle gewählt worden. Darin sehe ich derzeit meine Hauptaufgabe bis März 2020.

Stichwort Gemeindewahl: Welches Wahlziel haben Sie sich gesetzt?

Wir als Partei liegen derzeit bei 17 von 33 Mandaten und haben die Mehrheit. Wenn wir diesen Stand halten können und ich als Bürgermeisterin gewählt werde, bin ich zufrieden. Wobei: Wenn ich nicht Bürgermeisterin werden wollte, würde ich gar nicht antreten.

Wie lange gedenken Sie das Amt der Bürgermeisterin von Hard auszuüben?

Ich denke, die nächsten fünf Jahre ganz bestimmt. Ob dann definitiv Schluss ist, kann ich derzeit nicht sagen.