Ruhe vor dem Sturm in Nahost

Politik / 06.01.2020 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Generalmajor Kassem Soleimani wurde in Quetta beigesetzt. AFP
Generalmajor Kassem Soleimani wurde in Quetta beigesetzt. AFP

Die USA als Verlierer bei Spirale der Blutrache.

Teheran Aufs neue Jahr fällt noch immer der Schatten des Angriffs schiitischer Milizen auf die US-Botschaft in Bagdad und die amerikanische Liquidierung von dafür verantwortlich gemachten Kommandanten. Nach dem orientalischen Gesetz der Blutrache. In ihrem Sinn war schon der Botschaftssturm Vergeltung für einen Raketenschlag der Amerikaner gegen die irakischen Hisbollahs. Sie hatten zuvor mit tödlichen Schüssen an einem Stützpunkt der USA provoziert. Die Spirale der Racheakte wird sich gewiss weiter drehen. Umso mehr, als sich unter den von der amerikanischen Drohne Getöteten einer von Irans höchstrangigen Militärs befand: Generalmajor Kassem Soleimani, Befehlshaber der „Jerusalem-Brigade“ für Auslandseinsätze. Er hatte seit Jahren überall die Hand im Spiel, wo Teheran in Libanon, Syrien, am Golf, in Jemen und zuletzt bei der irakischen Unrast mitmischte. Soleimani stand schon lang auf der US-Abschussliste, vor allem seit der Zerstörung der Saudi-Raffinerie Abkaik, die seine Handschrift verriet.

Vergeltung

Hingegen wird seine Ermordung nach dem eher glimpflich abgelaufenen Botschaftssturm in der Region als überzogene Reaktion von Donald Trump beurteilt. Umso weniger dürfte nun eine massive Reaktion der Islamischen Republik Iran ausbleiben. Zwar raten dort besonnene Kreise um Präsident Hassan Rohani Zurückhaltung an. Das Sagen haben aber fanatische Ayatollahs und die Islamischen Revolutionsgarden, selbst Staat im Staat und mächtiger als dieser. Aus ihren Reihen kam „Märtyrer“ Soleimani. Seine Kameraden werden ihn nicht ungerächt lassen. Je länger sie sich jetzt dafür Zeit nehmen, desto schlimmer wird ihre Vergeltung ausfallen. Kein Amerikaner, kein Israeli auf der Welt kann davor sicher sein. Über dieser bangen Erwartung werden die langfristigen Weichenstellungen des Soleimani-Mordes noch zu wenig ernst genommen. Teheran hat jetzt einen Freibrief für die volle Wiederaufnahme seines Atomprogramms und wird dieses nun besonders in Richtung Nuklearrüstung vorantreiben. Die globalen Auswirkungen davon sind noch gar nicht abzuschätzen. In Nahost haben die USA jedenfalls nach ihrer leichtfertigen Aufgabe Syriens durch Donald Trump nun auch den Irak verloren.

Ganz egal, wie lang sie den vom Parlament in Bagdad geforderten Rückzug hinauszögern können. Die irakische Sozialrevolte ist in Anti-Amerikanismus umgeschlagen, das Zweistromland endgültig Satellit der Ayatollahs von Teheran geworden. GSTRE