EU-Handelsdaten deuten auf massiven Umsatzsteuerbetrug hin

Politik / 07.01.2020 • 11:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die offiziellen Handelsdaten aus der EU deuten einer Studie der Wirtschaftsinstitute IfW und Ifo auf einen Umsatzsteuerbetrug in großem Stil hin. Die EU komme mit sich selbst auf einen Handelsüberschuss von 307 Mrd. Euro, obwohl hier bei einer korrekten Erfassung aller Im- und Exporte am Ende eine Null stehen müsste, geht aus der heute veröffentlichten Analyse der Daten aller 28 Mitglieder hervor.

Messfehler alleine könnten diese systematische Abweichung nicht erklären. Vielmehr scheint dahinter ein massiver Umsatzsteuerbetrug zu stecken, der die EU-Staaten 30 bis 60 Mrd. Euro pro Jahr koste.

„Wenn Unternehmen Umsätze als Exporte deklarieren, sind diese von der Umsatzsteuer befreit“, sagten der Präsident des IfW, der Österreicher Gabriel Felbermayr, und Ifo-Forscher Martin Braml. „Werden diese Umsätze aber gar nicht im Ausland erzielt, sondern im Inland, fehlen sie in der Importstatistik des angeblichen Handelspartners und bleiben damit unversteuert.“ Die beiden Experten empfehlen einen digitalen, automatisierten Datenabgleich von Importen und Exporten innerhalb der EU, um Bilanzfehler künftig zu verringern und Betrug zu erschweren.

Im Durchschnitt werden den Mitgliedsländern 18 Prozent zu viel Warenexporte und 26 Prozent zu viel Dienstleistungsexporte gemeldet, berichteten das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Münchner Ifo-Institut. Besonders ausgeprägt seien die Unterschiede zwischen Nachbarstaaten und Mitgliedsländern mit größeren Unterschieden in den Mehrwertsteuersätzen. Dabei sei die Bilanzqualität der einzelnen Staaten höchst unterschiedlich. Die beste Datenqualität lieferten die Niederlande. Deutschland liege im vorderen Mittelfeld. Zypern, Irland, Luxemburg und Schweden weisen demnach die größten Abweichungen auf.