„Ausbau der Arlbergstrecke ist zu prüfen“

Politik / 09.01.2020 • 22:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Klimaministerin Gewessler kündigt an, mit Liechtenstein rasch ein Memorandum of Understanding zu FL.A.CH finden zu wollen.APA
Klimaministerin Gewessler kündigt an, mit Liechtenstein rasch ein Memorandum of Understanding zu FL.A.CH finden zu wollen.APA

Gewessler über Zweigleisigkeit am Arlberg, das Österreichticket und ihre erste Bahnfahrt nach Brüssel.

Wien Leonore Gewessler leitet ein Megaressort. Sie ist zuständig für Verkehr, Mobilität, Umwelt, Energie, Innovation, Technologie und für den Klimaschutz. Zum ersten EU-Rat in Brüssel will die Ministerin mit dem Zug anreisen. Einen teilweisen zweigleisigen Ausbau der Arlbergstrecke möchte sie prüfen lassen, erklärt sie im VN-Antrittsinterview.

 

Das Umweltbundesamt hat Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele vorgelegt, etwa die Abschaffung des Dieselprivilegs und Temporeduktionen auf Autobahnen und Landstraßen. Setzen Sie das um?

Gewessler Wir werden in einer Mobilitätsstrategie festhalten, wie wir bis 2030 den Verkehrssektor weiterentwickeln, aufbauend auf den Nationalen Energie- und Klimaplan und den Sachstandsbericht des Umweltbundesamtes.

 

Sind die Vorschläge vom Umweltbundesamt eine Blaupause?

Gewessler Das Umweltbundesamt legte ein sehr fundiertes Papier vor, an dem man sich viele Anleihen nehmen kann.

Warum hat es die Abschaffung des Dieselprivilegs nicht konkret ins Programm geschafft?

Gewessler Es steht vieles konkret im Programm. Für die erste Etappe der Steuerreform ist 2021 etwa eine höhere Flugticketabgabe und die Ökologisierung der NoVa und Pendlerpauschale vorgesehen. Mit einem zweiten Schritt wollen wir uns die Bepreisung von Emissionen ansehen und damit auch das Dieselprivileg diskutieren.

 

Kann die Flugticketsteuer tatsächlich eine Verhaltensänderung herbeiführen?

Gewessler 47 Prozent der Flüge, die vom Flughafen Wien starten, haben eine Strecke von unter 800 Kilometer. Dafür müssen wir einfach bequeme Alternativen, also eine Verlagerung zur Bahn, schaffen. 

Sie stehen selbst vor der Frage, wie Sie in Zukunft nach Brüssel kommen.

Gewessler Ich habe mir vorgenommen, so umweltfreundlich wie möglich unterwegs zu sein. Zum ersten Rat in Brüssel fahre ich zum Beispiel mit dem Zug. Das ist ein fixer Vorsatz. Es wird sich zwar nicht jedes Mal ausgehen, aber ich werde mich bemühen.

 

Wie realistisch ist das 1-2-3-Ticket, also ein österreichweit gültiges Ticket? 

Gewessler Ich denke, realistisch. Die Beispiele in Vorarlberg, Tirol und auch Wien zeigen, dass eine Ticketreform dazu führt, dass die Menschen das Angebot annehmen und es bei Jahreskarten massiven Zuwachs gibt. Dass es kein leichtes Projekt ist und viele Partner involviert sein werden, ist klar.

 

Was kostet es?

Gewessler Das hängt von verschiedensten Parametern ab, etwa wie stark es genutzt wird. Einige Hundert Millionen Euro werden sicher budgetär wirksam sein. 

 

Zusätzlich zur Nahverkehrs- und Regionalverkehrsmilliarde?

Gewessler Das sind zwei unterschiedliche Punkte. Beim Ticket wird es natürlich auch eine Bundesfinanzierung brauchen.

 

Bis wann kommt das Ticket?

Gewessler Wir arbeiten daran, das Projekt so rasch wie möglich auf den Boden zu bringen.  

Bis wann wollen Sie die Verhandlungen mit Liechtenstein zum grenzüberschreitenden S-Bahn-Projekt FL.A.CH abgeschlossen haben?

Gewessler Die Fachebene hat in dieser Frage ihre Arbeit bereits erledigt, nun geht es darum, auch auf politischer Ebene ein Memorandum of Understanding zu unterzeichnen. Daran wollen wir uns jetzt sehr rasch machen, es wird dazu in den nächsten Monaten auch ein Gespräch mit dem zuständigen Vorarlberger Landesrat Rauch geben.

 

Auf der ÖBB-Strecke Wien-Salzburg wurde einiges ausgebaut, die Arlbergstrecke ist jedoch immer noch die alte. Werden Sie sich für einen Ausbau dieser Strecke einsetzen?

Gewessler Der Ausbau der Schieneninfrastruktur ist für mich ein zentrales Thema und wir haben das auch im Regierungsprogramm klar festgehalten. Gerade in diesem Abschnitt ist die Erhöhung der Betriebssicherheit und Betriebsstabilität besonders wichtig und es wird hier laufend Verbesserungsmaßnahmen brauchen. Dabei ist auch ein teilweise zweigleisiger Ausbau zu prüfen.

Das Interview führte Birgit Entner-Gerhold. Die Vollversion finden Sie auf VN.at.