Wer den Wind sät

Politik / 12.01.2020 • 22:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Wer den Wind sät, wird den Sturm ernten“. US-Präsident Donald Trump hat den Spruch vermutlich nie gehört. Aber die dramatischen Folgen muss er sich zuschreiben lassen.

Der buchstäbliche Wind war die von Trump angeordnete Drohnen-Ermordung des zweitmächtigsten Mannes der iranischen Regierung. Und der Sturm war die Tötung von 176 unschuldigen Menschen in einem ukrainischen Flugzeug durch eine iranische Luftabwehrrakete.

Schließlich gibt es einen Zusammenhang zwischen den grausamen Todesfällen: Der US-Anschlag auf den iranischen General Soleimani war völkerrechtswidrig, und auch nach US-Recht verboten. Der Mord per Fernsteuerung heizte das ohnehin mehr als gespannte amerikanische Verhältnis voraussehbar weiter an und steigerte sich in der iranischen Öffentlichkeit und beim Militär zu einem kaum noch kontrollierbaren Chaos.

Der Wind eskalierte zum Sturm der das Leben der Menschen im abgeschossenen Flugzeug forderte. Nach Teheraner Schuld-Eingeständnis war es ein „irrtümlicher“ Raketenabschuss, ein „menschliches Versagen“ in der Hitze des Gefechts. Die Schuldigen würden zur Rechenschaft gezogenen und die Hinterbliebenen der Getöteten entschädigt.

Die Kausalität der Mitschuld des US-Präsidenten formulierte Irans Außenminister Javad Sarif so: „Menschliches Versagen in Krisenzeiten, verursacht durch US-Abenteurer, führte zu einer Katastrophe“. Und zum iranischen Versagen gibt es amerikanische Parallele: Während einer anderen amerikanisch-iranischen Krise im Juli 1988 schoss die Besatzung des US-Kreuzers „Vincennes“ in der Straße von Hormus „irrtümlich“ einen iranischen Airbus ab. 290 Menschen an Bord wurden dabei getötet.

Die Mitschuld an der gegenwärtigen Tragödie liegt in Trumps Art, unverantwortliche ad-hoc-Politik zu betreiben: Mit Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“, was ihm gerade so einfällt, ohne fachkundigen Rat einzuholen und vor allem, ohne Alternativen abzuwägen, die Risiken einzuschätzen, und die möglichen Folgen und Konsequenzen zu bedenken.

Das Verhalten von Bösewichtern in James Bond-Filmen mag unterhaltsam sein, die Qualifikation für das Amt des US-Präsidenten sieht anders aus; Ignoranz, Unfähigkeit und wahrhaft unbedachte Impulsivität disqualifizieren.

Mag sein, dass dies auch die notwendige Mehrheit der US-Wähler bei der anstehenden Präsidentschaftswahl im November so sehen wird. Und bis zum Ende von Trumps eruptiver Amtszeit sollten sich die übrigen Regierungen der Welt davor hüten, willige Helfer eines Unberechenbaren zu sein. Es kann Menschenleben retten.

Denn der Spruch vom Wind ist ja eine Warnung: „Wer etwas Schlechtes tut, wird es um ein Vielfaches zurückgezahlt bekommen“.

„Die Mitschuld an der gegenwärtigen Tragödie liegt in Trumps Art, unverantwortliche ad-hoc-Politik zu betreiben.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at