Mehrere Festnahmen im Iran wegen Flugzeugabschusses

Politik / 14.01.2020 • 10:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Im Iran sind mehrere Personen staatlichen Angaben zufolge wegen ihrer Rolle bei dem Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs festgenommen worden. Details nannte Justizsprecher Gholamhossein Esmaili am Dienstag nicht. Präsident Hassan Rouhani sagte in einer TV-Ansprache, alle Verantwortlichen würden bestraft. „Das war ein unverzeihlicher Fehler.“ 

Es sei ein „guter erster Schritt“, dass die Streitkräfte ihren Fehler zugegeben hätten. Es handle sich um ein „tragisches Ereignis“, das genau untersucht werde. Seine Regierung sei den Iranern und anderen Nationen, die bei dem Absturz Todesopfer zu beklagen hatten, zur Rechenschaft verpflichtet.

Der Iran hatte am Samstag nach tagelangem Leugnen zugegeben, dass der Absturz der Passagiermaschine am vergangenen Mittwoch nicht auf einen Defekt zurückging, sondern durch einen Raketenbeschuss verursacht wurde. Dies sei unabsichtlich geschehen. Die Revolutionsgarden übernahmen die Verantwortung. Alle 176 Insassen starben, darunter viele Iraner mit doppelter Staatsbürgerschaft. Das Verhalten der Behörden löste nicht nur international, sondern auch im Iran scharfe Kritik an der Führung aus. In mehreren Städten kam es zu Protesten. 

Am Donnerstag soll in London ein erstes Koordinationstreffen der Staaten stattfinden, aus denen bei dem Absturz Menschen ums Leben kamen. Teilnehmen werden die Außenminister von Afghanistan, Großbritannien, Kanada, Schweden und der Ukraine, wie der kanadische Chefdiplomat Francois-Philippe Champagne mitteilte.

Durch das Treffen solle der Druck auf den Iran aufrechterhalten werden, damit das Land den ausländischen Ermittlern vollen Zugang zum Beweismaterial gewähre und die Untersuchung transparent führe, schrieb Champagne im Internetdienst Twitter. Auch werden die Außenminister nach seinen Angaben über die angestrebten Entschädigungen für die Hinterbliebenen beraten.

Die Chefin der kanadischen Verkehrssicherheitsbehörde TSB, Kathy Fox, sagte, es gebe Anzeichen dafür, dass der Iran ihrer Behörde bei der Untersuchung des Absturzes eine „aktivere Rolle“ zugestehen wolle, als „normalerweise erlaubt ist“. Nach ihren Angaben wurden die kanadischen Ermittler von Teheran eingeladen, an der Auswertung der Flugschreiber teilzunehmen und das Wrack zu begutachten. Die kanadische Regierung wollte vier Ermittler in den Iran entsenden. Unter den Todesopfern waren 57 Kanadier.