Die Pflegelehre kommt

Politik / 17.01.2020 • 22:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schramböck zum Blum-Bonus:
Schramböck zum Blum-Bonus: „Wir prüfen, welche Anreize wir schaffen können und welche Strukturen Unternehmen brauchen, um mehr Lehrlinge auszubilden.“VN

Ministerin sagt Einführung der neuen Lehre zu und erklärt, wie ein Meister Master wird.

Wien Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) ist wieder im Amt und kündigt an, die Pflegelehre in dieser Legislaturperiode umzusetzen. Die Wiedereinführung des Blum-Bonus, der Unternehmen mit Lehrlingen unterstützen soll, prüft sie gerade.

 

Sie haben in Ihrer ersten Amtszeit die Einführung der Pflegelehre unterstützt. Wann werden Sie diese in Ihrer zweiten umsetzen?

Schramböck Wir müssen Vorsorge treffen, dass es genügend Fachkräfte in der Pflege gibt. Ein Faktor ist dafür die Pflegelehre. 

 

Die Aqua Mühle gestaltete in Vorarlberg eine Ausbildungskombination aus Betriebsdienstleisterlehre plus einjähriger Pflegeassistenz-Ausbildung. Wird das Vorbild für eine österreichweite Pflegelehre?

Schramböck Ich möchte es jedenfalls aufgreifen, auch die Erfahrungen aus der Schweiz. Dort ist die Pflegelehre ein Erfolgsmodell.

 

Wie lange dauert es, bis ein neuer Lehrberuf entwickelt ist?

Schramböck Im Durchschnitt 1,5 Jahre. Wenn es etwas länger oder kürzer wird, ist es auch in Ordnung. 

 

Das heißt, die Pflegelehre kommt spätestens 2023?

Schramböck Ich will mich auf kein Datum festlegen. 

 

In dieser Legislaturperiode?

Schramböck Ja.

 

Sie wollen einen Blum-Bonus-Neu prüfen. Heißt das Umsetzung?

Schramböck Prüfung heißt Prüfung. Wir prüfen, welche Anreize wir schaffen können und welche Strukturen Unternehmen brauchen, um mehr Lehrlinge auszubilden. Da wollen wir den Blum-Bonus als Input mitnehmen. Ein zweiter Hebel ist, dass wir neue Zielgruppen für die Lehre erschließen. Die Lehre soll nicht nur für 15- bis 20-Jährige attraktiv sein, sondern auch für Erwachsene. 

 

Ist ein Selbsterhalterstipendium für erwachsene Lehrlinge geplant?

Schramböck In Oberösterreich steuert das AMS zum Beispiel etwas für erwachsene Lehrlinge bei. Wir schauen uns an, inwieweit das auch andere Bundesländer übernehmen könnten. Ich sehe aber auch Unternehmen, die bereit sind, von sich aus mehr zu bezahlen.

 

Sie könnten sich eine österreichweite AMS-Förderung vorstellen?

Schramböck Ich will mir nicht herausnehmen, zu sagen, dass wir die AMS-Förderung nach oberösterreichischem Vorbild in Gesamtösterreich umsetzen müssen.

 

Wie wahrscheinlich ist, dass es einen Blum-Bonus-Neu geben wird?

Schramböck Wir prüfen. Mehr sage ich nicht dazu.

 

Laut Koalitionspakt wollen Sie den Meister- zum Mastertitel machen …

Schramböck Das ist anders gemeint. Im Moment ist der Meister dem Bachelor gleichgestellt. Das bleibt so. Was kommen wird, ist, dass Sie Ihren Meistertitel auch mit Ihrem Namen führen können.

 

Wie wird ein Meister zum Master?

Schramböck Hier geht es um die nächste Stufe im Qualifikationsrahmen, also jene über dem Bachelor. Wir wollen auch nach der Meisterprüfung die berufsorientierte Ausbildung stärken. Unternehmer erkennen oft nicht auf den ersten Blick, was die zahlreichen fortführenden Ausbildungen und Kurse nach dem Meister umfassen. Dem wollen wir eine Struktur geben.

 

Hat man für den Titel eine gewisse Anzahl an Kursstunden zu erfüllen?

Schramböck Ja, ein berufsnahes Curriculum. Wir können uns ansehen, was das Wifi oder andere berufspraktischen Ausbildungen bieten. Das Bildungsministerium muss diese dann zertifizieren.

 

Als Meister wäre ich Mst. Birgit Entner-Gerhold. Nach der Weiterbildung Mst. Birgit Entner-Gerhold, Master Professional?

Schramböck Grundsätzlich ja. Die Titelnamen prüfen wir noch.

 

Wann kommt das?

Schramböck In den nächsten Wochen. Wir ersetzen im Zuge dessen auch den Begriff Lehrlingsentschädigung durch Lehrlingseinkommen. Der Lehrling wird laut Gesetz auch nicht mehr „verwendet“, sondern „eingesetzt“. Es braucht eine Sprache der Wertschätzung.

Das Interview führte Birgit Entner-Gerhold. Die Vollversion finden sie auf VN.at.