Margarete Schramböck: „Die Pflegelehre kommt“

Politik / 18.01.2020 • 06:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Schramböck: „Wir schaffen den Begriff Lehrlingsentschädigung ab und ersetzen ihn durch Lehrlingseinkommen.“

Wirtschaftsministerin sagt Einführung der neuen Lehre in den kommenden fünf Jahren zu und erklärt, wie ein Meister zum Master werden kann.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) ist wieder im Dienst und kündigt zugleich an, die Pflegelehre in den kommenden fünf Jahren umzusetzen. Die Wiedereinführung des Blum-Bonus, der Unternehmen mit Lehrlingen unterstützen soll, prüft sie gerade. Im Ministerrat soll es hingegen einen baldigen Beschluss dafür geben, dass Meister ihren Titel künftig auch offiziell mit ihrem Namen führen können. Ebenso soll es für alle Absolventen einer Meisterprüfung in einer weiteren Stufe einen Titel geben, der dem Master gleichgesetzt ist.

Sie haben in Ihrer ersten Amtszeit die Einführung der Pflegelehre unterstützt. Wann werden Sie diese in Ihrer zweiten umsetzen?

Wir müssen Vorsorge treffen, dass es genügend Fachkräfte in der Pflege gibt. Daher haben wir einen entsprechenden Schulversuch auf den Weg gebracht. Als weiterer Faktor ist die Pflegelehre im Regierungsprogramm enthalten, was ich intensiv unterstütze.

Die Aqua Mühle gestaltete in Vorarlberg eine Ausbildungskombination der Betriebsdienstleisterlehre plus einjähriger Pflegeassistenzausbildung. Wird das Vorbild für eine österreichweite Pflegelehre?

Ich möchte es jedenfalls aufgreifen, auch die Erfahrungen aus der Schweiz. Dort ist die Pflegelehre ein Erfolgsmodell.

Wie lange dauert es, bis ein neuer Lehrberuf entwickelt ist?

Im Durchschnitt 1,5 Jahre. Wenn es ein bisschen länger oder kürzer wird, ist es auch in Ordnung. Es darf aber keine sieben Jahre dauern, wie wir es beim Lehrberuf des Maskenbildners hatten.

Das heißt, die Pflegelehre kommt spätestens 2023?

Ich will mich auf kein Datum festlegen, weil die Pflegelehre etwas spezieller sein könnte. Aber wir werden ein österreichisches Modell entwickeln und umsetzen.

In dieser Legislaturperiode?

Ja.

Sie wollen die Wiedereinführung des  Blum-Bonus prüfen. Heißt Prüfung Umsetzung?

Prüfung heißt Prüfung. Wir prüfen, welche Anreize wir schaffen können und welche Strukturen Unternehmen brauchen, um mehr Lehrlinge auszubilden. Da wollen wir den Blum-Bonus als Input mitnehmen. Ein zweiter Hebel ist, dass wir neue Zielgruppen für die Lehre erschließen. Die Lehre soll nicht nur für 15- bis 20-Jährige attraktiv sein, sondern auch für Erwachsene. Viele Unternehmen wissen noch nicht genau, wie sie damit umgehen sollen.

Für viele Erwachsene wird es eine finanzielle Frage sein. Ist eine Art Selbsterhalterstipendium für erwachsene Lehrlinge geplant?

In Oberösterreich steuert das AMS zum Beispiel etwas für erwachsene Lehrlinge bei. Wir schauen uns an, inwieweit das auch andere Bundesländer übernehmen könnten. Ich sehe aber auch Unternehmen, die bereit sind, mehr als das festgelegte Lehrlingseinkommen für Erwachsene zu bezahlen, da sie schon viel Erfahrung mitbringen, wenn auch aus anderen Bereichen.

Sie könnten sich aber eine österreichweite AMS-Förderung vorstellen?

Ich will mir nicht herausnehmen, zu sagen, dass wir die AMS-Förderung nach oberösterreichischem Vorbild in Gesamtösterreich umsetzen müssen.

Könnte mit dem Blum-Bonus etwa ein Erwachsenenbonus kommen?

Wir müssen uns anschauen, wie wir Bewusstsein und Anreize schaffen können. Hier wird auch die Duale Akademie – also die Berufsschule für Erwachsene – eine tragende Rolle spielen. An ihrer Umsetzung arbeiten wir gerade.

Wie wahrscheinlich ist, dass es einen Blum-Bonus-neu geben wird?

Wir prüfen. Mehr sage ich nicht dazu.

Im Regierungsprogramm steht, Sie wollen den Meister- zum Mastertitel machen.

Das ist anders gemeint. Im Moment ist der Meister dem Bachelor gleichgestellt. Das bleibt auch so. Was kommen wird, ist, dass Sie Ihren Meistertitel auch mit Ihrem Namen führen können.

Und wie wird ein Meister zum Master?

Hier geht es um die nächste Stufe im Qualifikationsrahmen, also jene über dem Bachelor. Das heißt, wir wollen auch nach der Meisterprüfung die berufsorientierte Ausbildung stärken. Unternehmer erkennen oft nicht auf den ersten Blick, was die zahlreichen fortführenden Ausbildungen und Kurse nach dem Meister umfassen. Oft sehen sie nur die vielen verschiedenen Fortbildungen im Lebenslauf stehen. Wir wollen dem eine Struktur geben. Und wir wollen eine Perspektive schaffen. In der theoretischen Ausbildung ist ein Weg bis zum Doktor und Professor möglich. Warum muss bei einer Lehrausbildung mit dem Meister Schluss sein?

Das heißt also nicht, dass der Meistertitel gleichzeitig eine Studienberechtigung wird?

Nein.

Es heißt, dass man in verschiedenen berufsorientierten Kursen spezifische Qualifikationen sammelt und dafür einen Titel bekommt?

Ja, dass es eine Zusatzqualifikation nach dem Meister gibt, mit der man auf das gleiche Level (Anm. im nationalen Qualifikationsrahmen) wie ein Master kommen kann.

Hat man dafür eine gewisse Anzahl an Wochenstunden zu erfüllen?

Ein berufsnahes Curriculum. Wir können uns ansehen, was das Wifi oder andere berufspraktische Ausbildungen bieten. Das Bildungsministerium muss diese dann zertifizieren.

Zuerst wird der Meister aber zum Titel. Wie heißt er dann? Mst.?

Wir schauen grad.

Als Meister wäre ich Mst. Birgit Entner-Gerhold. Und nach der Weiterbildung Mst. Birgit Entner-Gerhold, Master Professional?

Grundsätzlich ja. Die Titelnamen prüfen wir noch.

Wird das bald dem Ministerrat zum Beschluss vorgelegt?

Ja, wir arbeiten dran.

In den nächsten Wochen?

Ja, das schaffen wir. Mir ist wichtig, dass wir mit dieser Maßnahme Respekt vermitteln. Wir schaffen im Zuge dessen auch den Begriff Lehrlingsentschädigung ab und ersetzen ihn durch Lehrlingseinkommen. Der Lehrling wird dann laut Gesetz auch nicht mehr „verwendet“, sondern er wird „eingesetzt“. Es braucht einfach eine Sprache der Wertschätzung.

Werden Lehrlinge bei der geplanten Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte berücksichtigt? Also kommt eine Rot-Weiß-Rot-Karte für jene, die hier eine Lehre in einem Mangelberuf starten wollen?

Nein. Die Rot-Weiß-Rot-Karte gibt es nur für Fachkräfte mit abgeschlossener Ausbildung.

Was gibt es Neues vom digitalen Amt, der App oesterreich.gv.at? Kommt bald der E-Impfpass?

Wir wollen als nächsten Schritt alle Ausweise auf die Applikation bringen, also den Führerschein, den Zulassungsschein und den Personalausweis, den Reisepass nicht, für ihn gibt es strenge internationale Bestimmungen.