Fehlgriffe bei der Sicherheitskontrolle

Politik / 20.01.2020 • 22:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im kleinen Foyer vor dem Schwurgerichtssaal staute sich die Besuchermenge. Sicherheitsbeamte kontrollierten akribisch.
Im kleinen Foyer vor dem Schwurgerichtssaal staute sich die Besuchermenge. Sicherheitsbeamte kontrollierten akribisch.

Prozessbesucher wurden verschärft unter die Lupe genommen.

feldkirch Montag, 9.45 Uhr, in einer Viertelstunde beginnt im Schwurgerichtssaal einer der aufsehenerregendsten Prozesse der vergangenen Jahre der Vorarlberger Justizgeschichte.  

Bereits vor dem Haupteingang des Landesgerichts Feldkirch warten Sicherheitsbeamte. Die Stimmung wirkt ernst. Beim Betreten des kühlen und grauen Gebäudes wird man gestoppt. Ein Polizist kontrolliert die Taschen und fragt forsch: „Wohin geht’s?“

Bei der Türe zum Schwurgerichtssaal findet die nächste Sicherheitsvorkehrung statt. Die Reihe an Menschen reicht inzwischen zurück bis zum Ausgang. Erneut werden Taschen genauestens durchsucht, manche sogar geleert. Jacken müssen abgelegt werden. Handys und Geldtaschen ebenso. Der ganze Körper wird abgetastet – vom Hals- und Nackenbereich bis zu den Fußknöcheln. Alles in Ordnung. Die Polizistin weist mit der Hand zur Tür des Gerichtssaals.

„Wo ist mein Handy?“

Doch dann hält ein kleiner, unvorhergesehener Zwischenfall das Kontollprozedere an der linken Schleuse auf. Ein Besucher, der kurz vorher seine Taschen geleert hatte und dem der Zugang anschließend gewährt wird, wendet sich verzweifelt an eine Polizistin: „Wo ist mein Handy?“ Auch seine Geldtasche vermisst er. Die Beamtin fragt ihn nach seiner Telefonnummer und ruft an. Und siehe da, es klingelt hinter der Türe im Schwurgerichtssaal. Sogleich erscheint ein weiterer Besucher im kleinen Foyer mit dem klingelnden Handy in der Hand. Er zeigt sich verwundert. Es ist nicht sein Mobiltelefon. Denn das liegt noch auf dem Ablagetisch der Kontrolleure. Ebenso seine Geldtasche. Damit ist das Rätsel gelöst. Eine Verwechslung der Gegenstände aus Versehen. Handy und Geldtasche werden ausgewechselt und befinden sich wieder bei ihren rechtmäßigen Eigentümern.

Vollbesetzter Saal

Der Schwurgerichtssaal ist bis auf den allerletzten Platz besetzt. Wer keine Sitzgelegenheit ergattert hat, wird vom vorsitzenden Richter Martin Mitteregger mit Bedauern aufgefordert, den Saal zu verlassen. Eine notwendige Maßnahme, begründet er, und zwar wegen feuerpolizeilicher Vorschriften.

Unruhige Blicke wandern durch den Raum. Der Richter betritt den Saal. Kurz danach drei bewaffnete Beamte. Nach diesen kommt der Angeklagte – gefesselt mit Handschellen und in Begleitung von drei weiteren Polizisten. Sein Blick beim Betreten des vollgefüllten Saals ist leer und trostlos. Mit leicht wässrigen Augen blickt Soner Ö. in Richtung seiner Angehörigen. Für den Bruchteil einer Sekunde starrt er eine Person an. Der Täter verändert seine Mimik – ein zuversichtliches Lächeln macht sich breit und er zwinkert der Person zu. „Wie geht es Ihnen?“, ist die erste Frage des Richters Martin Mitteregger. „Den Umständen entsprechend schlecht“, meint der Angeklagte.

Die Verhandlung beginnt. Doch schon bald kommt es zu einer ersten Pause. Die Prozessbesucher, unter ihnen auch die Angehörigen des Angeklagten, versammeln sich auf dem Hof vor dem Schwurgerichtssaal. Erste Eindrücke werden ausgetauscht, Meinungen abgegeben und erste Kommentare über das Verhalten des Angeklagten abgegeben.

In die versammelte Menge hat sich auch Norbert Schwendinger gemischt. Er war als Chefermittler mit dem Fall betraut, ehe er die Pension antrat. Doch er will die Angelegenheit nicht kommentieren, nur eines: „Ich möchte den Ausgang meines letzten Kriminalfalls nicht verpassen.“

„Ich möchte den Ausgang meines letzten Kriminalfalles nicht verpassen.“