Auschwitz war in Österreich lange Zeit ein Tabu

Politik / 21.01.2020 • 19:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Maria Stromberger aus Bregenz war „der Engel von Auschwitz“. VN-Archiv
Maria Stromberger aus Bregenz war „der Engel von Auschwitz“. VN-Archiv

bregenz Österreich tat sich lange schwer mit der Erinnerung an Auschwitz. So ist bis heute unklar, wie viele Österreicher dort tatsächlich ums Leben gekommen sind. Schätzungen gehen von rund 11.000 Todesopfern aus, die meisten davon Juden. Dass es an einer entsprechenden Aufarbeitung fehlte, liege an der gern eingenommenen Opferrolle, sagt der Historiker und Grünen-Politiker Harald Walser, der im Oktober den Sammelband „Die NS-Opfer der Kummenberg-Gemeinden“ herausgebracht hat. „Von der Rolle wollte man sich nicht verabschieden.“ Deshalb blieben die österreichischen Täter über Jahrzehnte hinweg ausgeblendet.

Widerstandskämpferin

„In Vorarlberg verhielt man sich überhaupt so, als hätte man nichts mit dem Holocaust zu tun gehabt“, sagt Walser. Dabei stamme Irmfried Eberl, Kommandant im Vernichtungslager Treblinka, aus Bregenz. Josef Vallaster aus dem Silbertal war an Morden in der Tötungsanstalt Hartheim und im KZ Sobibór beteiligt, und der Lustenauer Josef Hämmerle Leiter der Buchhaltung im Getto Lodz. Der Vorarlberger Historiker erinnert aber auch an die Krankenschwester und Widerstandskämpferin Maria Stromberger aus Bregenz. „Sie war als ‚Engel von Auschwitz‘ bekannt und hat vielen Häftlingen geholfen.“

Anfang der 1960er wurde Auschwitz in der Öffentlichkeit zum großen Thema, ausgelöst durch den Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann in Jerusalem. Österreichs Verantwortung blieb aber weiterhin umstritten. Das änderte sich erst im Zuge der Diskussion um die NS-Vergangenheit von Bundespräsident Kurt Waldheim. In der Gedenkstätte in Auschwitz präsentierte sich Österreich aber immer noch als erstes Opfer des Nationalsozialismus. Die Ausstellung im Block 17 schloss erst 2013. Ein Jahr später wurde ein Team um den Kurator Hannes Sulzenbacher und den wissenschaftlichen Leiter Albert Lichtblau mit dem Projekt beauftragt. Derzeit finden Sanierungsarbeiten statt. Die Eröffnung soll voraussichtlich 2021 stattfinden. VN-RAM

„In Vorarlberg verhielt man sich so, als hätte man nichts mit dem Holocaust zu tun gehabt.“