Das unendliche Grauen von Auschwitz-Birkenau

Politik / 22.01.2020 • 08:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In das KZ Auschwitz-Birkenau wurden im Zweiten Weltkrieg mindestens 1,3 Millionen Menschen deportiert.

Vor 75 Jahren wurde das KZ Auschwitz befreit. Dort haben die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen ermordet.

Oswiecim Es ist das Symbol des Holocaust, des Massenmordes an Juden während des Zweiten Weltkriegs: Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. In dem Lager töteten die Nationalsozialisten etwa 1,1 Million Menschen, zum Großteil Juden aus dem besetzten Europa. Aber auch nicht-jüdische Polen, Roma und Sinti, sowjetische Kriegsgefangene sowie Menschen aus anderen Nationen kamen in Auschwitz ums Leben. Als Soldaten der Roten Armee das Lager am 27. Jänner 1945 befreiten, stießen sie auf rund 7000 völlig ausgemergelte Überlebende. SS-Männer hatten zuvor Zehntausende auf Todesmärsche nach Westen getrieben.

Gedenken in Yad Vashem

2005 riefen die Vereinten Nationen den Tag der Befreiung zum internationalen Holocaust-Gedenktag aus. In der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel erinnern am Donnerstag Staatsgäste aus der ganzen Welt an die Ermordeten.  Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen reist nach Jerusalem. Auf dem Gelände des ehemaligen KZ in Polen wird am Jahrestag kommenden Montag den Opfern gedacht. Es sei ihm sowohl als Bundespräsident als auch persönlich wichtig, an den Gedenkveranstaltungen teilzunehmen, sagte Van der Bellen. „Denn zehntausende Österreicherinnern und Österreicher waren Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Viele Österreicherinnen und Österreicher waren aber auch Täterinnen und Täter.“

Im April 1940 hatte der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, befohlen, in Oswiecim (Auschwitz) im besetzten Polen ein KZ zu bauen. Die ersten Häftlinge waren Angehörige der polnischen Führungsschicht. Am 31. Juli 1941 beauftragte Reichsmarschall Hermann Göring den Chef des Sicherheitsdienstes Reinhard Heydrich mit der „Endlösung der Judenfrage.“ Daraufhin ordnete Himmler die Ausweitung des Lagers an. Bei Kriegsende streckte sich Auschwitz-Birkenau über 40 Quadratkilometer und umfasste 48 Nebenlager. 1943 befanden sich im KZ fast 120.000 Häftlinge. Nach der Wannseekonferenz 1942 wurden Juden aus dem gesamten deutschen Herrschaftsgebiet nach Auschwitz deportiert. Im Sommer begann der Massenmord durch Giftgas. SS-Ärzte unterteilten die Menschen nach ihrer Ankunft in jene, die „arbeitsfähig“ waren und jene, die sofort ermordet werden sollten. Die Leichen wurden verbrannt. Bis November 1944 waren die Krematorien fast ohne Unterlass in Betrieb. Insgesamt töteten die Nationalsozialisten rund sechs Millionen Juden. Der Lyriker und Auschwitz-Überlebende Paul Celan schrieb später: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“

Heute gibt es nicht mehr viele, die das Grauen selbst miterlebt haben. Im Vorjahr verstarb der älteste Holocaust-Überlebende Österreichs, Marko Feingold, mit 106 Jahren. Der frühere Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg hatte einen mehrjährigen Leidensweg durch verschiedene KZ hinter sich, darunter Auschwitz. Bis ins hohe Alter gab Feingold Vorträge und berichtete aus seinem Leben. Über die Zeit in Auschwitz sagte er: „Man hat uns damals gesagt: Als Jude hast du noch drei Monate zu leben, dann gehst du durch den Kamin.“

In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems zeigt der Dornbirner Spielboden den Film „Shoah“ (Claude Lanzmann) am Sonntag ab 10.30 Uhr (mit Pausen).