Das Ende des Todeslagers

Politik / 27.01.2020 • 22:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Überlebende der Schoah nehmen am Gedenken im ehemaligen Konzentrationslager teil.   AFP
Überlebende der Schoah nehmen am Gedenken im ehemaligen Konzentrationslager teil.   AFP

Gedenkakt im ehemaligen KZ Auschwitz. Van der Bellen verweist auf Mitverantwortung.

oswiecim Polens Präsident Andrzej Duda hat dazu aufgefordert, das Gedenken an die Gräueltaten im deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zu bewahren und eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern. Im Namen der Republik Polen erneuere er die Verpflichtung, die Erinnerung zu pflegen und die Wahrheit darüber zu schützen, was in Auschwitz passiert sei, sagte Duda am Montag bei einem Gedenkakt in Auschwitz. Er forderte die Gäste dazu auf, vor den letzten Überlebenden und Augenzeugen die gemeinsame Verpflichtung einzugehen, „die Botschaft und die Warnung für die Menschheit, die von diesem Ort ausgehen, in die Zukunft zu tragen.“

Synonym für den Holocaust

Einheiten der sowjetischen Roten Armee hatten das Konzentrationslager am 27. Jänner 1945 erreicht. Sie befreiten rund 7500 noch lebende Häftlinge. Allein dort brachten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen um, zumeist Juden. In ganz Europa ermordeten sie während der Schoah etwa sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens. Der Name Auschwitz hat sich als Synonym für den Holocaust und Inbegriff des Bösen weltweit ins Bewusstsein eingebrannt.  Duda hatte am Donnerstag nicht am Holocaust-Gedenken in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem teilgenommen – aus Protest dagegen, dass die Organisatoren ihm kein Rederecht einräumen wollten. Dies hatte das polnisch-israelische Verhältnis belastet. Am Montag zeichnete sich Entspannung ab. Israels Präsident Reuven Rivlin lud Duda zu einem Besuch ein. „Wir möchten der polnischen Nation heute die Hand geben und bitten, dass wir erneut auf den Weg zurückkehren, den wir gemeinsam gehen können“, sagte Rivlin.

Zu der Gedenkfeier in Polen reiste auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen an. „Auschwitz zu besuchen ist nicht leicht. Aber es ist notwendig“, sagte Van der Bellen. Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie seien auch Zehntausende Menschen aus Österreich gewesen. Gleichzeitig, so Van der Bellen, „empfinde ich Scham“. Viele Österreicher hätten bei dem „barbarischen Verbrechen“ als Täter mitgewirkt. „Allzu viele Landsleute liefen mit, schauten weg, zu wenige leisteten Widerstand.“ Van der Bellen hatte am Donnerstag bereits am internationalen Holocaust-Forum in Yad Vashem teilgenommen.

Erster Besuch

Begleitet wurde Van der Bellen nach Polen von seiner Frau Doris Schmidauer, EU-Ministerin Karoline Edtstadler (ÖVP), dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Oskar Deutsch sowie dem Auschwitz-Überlebenden Viktor Klein. Es ist der erste Besuch des Bundespräsidenten in Auschwitz. Der deutsche Bundespräsident Steinmeier nahm ebenfalls an der Zeremonie teil. In das Gästebuch der Gedenkstätte schrieb Steinmeier, er verneige sich in Trauer vor den Opfern und den Überlebenden. Steinmeier hatte sich in der Früh zunächst im Schloss Bellevue in Berlin mit drei Überlebenden des Holocaust getroffen. Diese flogen anschließend zusammen mit ihm nach Polen.

„Allzu viele Landsleute liefen mit, schauten weg, zu wenige leisteten Widerstand.“