Julia Ortner

Kommentar

Julia Ortner

Der FPÖ-Bruderkrieg: willkommene Aufregung

Politik / 27.01.2020 • 14:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das Burgenland mag außerhalb des Burgenlands politisch nicht so stark wahrgenommen werden, dennoch kann man nach der Landtagswahl bundesweite Auswirkungen auf die große Verliererin FPÖ und die große Gewinnerin SPÖ beobachten – vorerst einmal auf der Befindlichkeitsebene.

Da tun sich natürlich die zerstrittenen Freiheitlichen besonders hervor. Ihr am Ibiza-Skandal gescheiterter Ex-Chef Heinz-Christian Strache belehrt nach dem burgenländischen Absturz seinen Nachfolger Nobert Hofer öffentlich auf Twitter: „Die Burgenland-Wahl zeigt: Unter Norbert Hofer und Co. nimmt die FPÖ Kurs in Richtung Irrelevanz und verliert, was ich einst hinzugewinnen konnte. Was geht zuerst aus? Die Wähler oder die Ausreden?“ „Besten Dank“, kommentiert Hofer den Tweet und postet ein Bild von Strache im unvorteilhaften Leiberl aus dem Ibiza-Video, Humor und Gehässigkeit liegen manchmal nahe beieinander. Der Tiroler FPÖ-Obmann Markus Abwerzger rät Strache gar via Social Media zur Behandlung: „Psychiater oder Exorzist, weniger hilft da nicht mehr.“

Drama ist auch Unterhaltung

Hahaha, ein blauer Bruderkrieg, das amüsiert viele. Die Freiheitlichen zeigen selten unverstellt auf offener Bühne, wie eine Partei auseinanderfällt und einst Verbündete zu Feinden werden. Politik wird in so einem Prozess abseits von Schlagworten nebensächlich, es geht um Gefühlslagen und Personen. Drama hat ja immer einen Unterhaltungswert, auch für Medienschaffende, die gerne darüber berichten. In Sachen SPÖ vor allem über die Frage, was es für die arme, arme Parteichefin Pamela Rendi-Wagner und ihre Bundespartei bedeuten mag, wenn Hans Peter Doskozil die absolute Mehrheit im Burgenland mit seinem Kurs zurückerobert hat, also Investitionen in Soziales plus einer strengeren Migrations- und Sicherheitspolitik. Auch wenn das Hauptmotiv für den Großteil der SPÖ-Wählerschaft laut der Sora-Wahltagsbefragung die Person des Landeshauptmanns war, überlegt man sich jetzt nicht nur in der Wiener SPÖ: Sollen wir es so wie der „Dosko“ machen?

Journalistinnen und Journalisten sollten über die eigene  Rolle im Befindlichkeitsspiel jedenfalls mehr nachdenken. Heute setzen beide Seiten, Politik und Medien, auf Inszenierungen, diese Vorliebe kann man nicht nur den Politikmenschen umhängen. Schön aufbereitete Auftritte, parteiinterne Dramen oder schräge Veranstaltungen kann man kulinarisch verarbeiten, das Publikum kann sie ohne Aufwand konsumieren.

So ist es auch erklärbar, dass eine Veranstaltung wie das Neujahrstreffen der sogenannten blauen Splittergruppe „DAÖ“ mit Strache-Rede vergangene Woche zum medialen Ereignis hochgejazzt und breit berichtet wurde. Große Relevanz kann nicht der Grund dafür gewesen sein.