„Millennials“ gehen unter

Politik / 27.01.2020 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jeder dritte Wähler ist über 60, die junge Generation in Österreich brauche mehr Gewicht, sagt Ökonom Sustala. APA

Ökonom Sustala warnt, dass die Politik die junge Generation zu wenig berücksichtigt.

Johannes Huber

WIEN Lange ist es immer nur aufwärts gegangen und dann das: Ende der 2000er Jahre kam es in Folge der Finanzkrise zu einem herben Rückschlag. Er hat nach Ansicht von Lukas Sustala vor allem „Millennials“ getroffen. Das ist die Generation, die wie der stellvertretende Direktor des wirtschaftsliberalen Instituts „Agenda Austria“ zwischen 1982 und 2000 geboren worden ist. Sie ist „zu spät zur Party“ gekommen.

Unter diesem Titel hat Sustala ein Buch geschrieben und erklärt, was er damit meint: Karrieren haben sich gar nicht erst ergeben oder sind zumindest unterbrochen worden. Stagnierende oder sinkende Einkommen haben sich zum Normalfall entwickelt. Und zumal niedrige Zinsen die Nachfrage nach Immobilien angeheizt haben, ist Wohnen teuer bis unerschwinglich geworden.

Alles? Nein, wie der Autor meint. Dazu kommen noch ganz andere Herausforderungen, mit denen die unter 40-Jährigen in besonderer Weise konfrontiert sind: unter anderem der Klimawandel. Und die Alterung, die zu steigenden Pensionskosten führt. Europaweit seien viele junge Menschen in eine „Doppelmühle“ geraten: „Sie müssen die jetzt noch sehr großzügigen Sozialstaaten am Laufen halten, bekommen gleichzeitig auf lange Sicht deutlich weniger, liefern aber so hohe Steuern ab, dass sie zu wenig haben, um selbst noch vorsorgen zu können. Daran können und wollen gerade die älteren Generationen wenig ändern“, etwa durch längeres Arbeiten und Einzahlen.

Gefordert sei unter diesen Umständen ein neuer Interessensausgleich, so Lukas Sustala: „Jeder dritte Wähler ist über 60.“ In den nächsten Jahren würden es noch viel mehr werden. Und weil Parteien Wahlen gewinnen wollen, würden sie sich zunehmend in den Dienst der Älteren stellen: Pensionsreformen seien tabu, während Pensionserhöhungen über das gesetzlich vorgesehene Maß hinaus zur Regel geworden seien.

Es gebe Ökonomen, die daher fordern, junge Wähler zu stärken: „Und zwar durch ein Familienwahlrecht: Eltern sollten für jedes Kind beispielsweise eine halbe Stimme dazubekommen. Das könnte dazu führen, dass zukunftsgerichtete Fragen wie Bildung, Investitionen und eine nachhaltige Finanzierung des Pensionssystems größeres Gewicht erlangen.“ Sustala selbst ist kein glühender Anhänger davon: „Wichtiger wären wohl andere Maßnahmen, etwa um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. Ein Familienwahlrecht ist ja nur die zweitbeste Lösung, weil man dadurch das Prinzip durchbrechen würde, dass jede Stimme gleich viel wert ist.“ Im besten Fall aber könnte schon die Forderung allein dazu führen, dass noch deutlicher wird, dass sich etwas ändern muss: „Und dass es zum Beispiel zu einer Allianz der Jungen mit den Junggebliebenen in den Parteien kommt.“

Ein heikles Thema: Immer wieder taucht der Vorwurf auf, Jüngere und Ältere würden gegeneinander ausgespielt werden. Sustalas Antwort: „Ich würde eher sagen, dass dieser Konflikt dadurch heraufbeschworen wird, dass nichts getan wird. Es wird einfach hingenommen, dass die demografiebedingten Ausgaben bis 2035 um drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen, wie das Finanzministerium prognostiziert. Das sind zwölf bis 15 Milliarden Euro zusätzlich, die jedes Jahr irgendwo anders fehlen und einen Verteilungskonflikt befeuern werden.“