Wie Musik den gemeinsamen Austausch fördern kann

Politik / 27.01.2020 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Udo Felizeter und Nico Schwendinger wurden in Wien ausgezeichnet. TATIC

Auszeichnung des Landes für die Gründer von Open Piano for Refugees.

bregenz, wien Jeder darf einmal auf dem Flügel spielen. Jeder kann stehenbleiben und zuhören. Und wer will, spendet. Das ist das Konzept des Sozialprojekts Open Piano for Refugees der beiden Vorarlberger Udo Felizeter (29) und Nico Schwendinger (32). Die Instrumente werden im öffentlichen Raum frei zugänglich aufgestellt, sei es in Wien, Graz, Bonn oder Bregenz. Ziel ist es, Menschen aller gesellschaftlichen Schichten zusammenzubringen und den gegenseitigen Austausch zu fördern. Für diesen Verdienst hat das Land die beiden Gründer nun mit dem Titel „Vorarlberger des Jahres z’Wian“ gewürdigt. „Der Preis bedeutet für uns eine große Wertschätzung“, sagt Felizeter.

Große Erfolgsgeschichte

In der Begründung der Jury heißt es: „Die Besonderheit der Initiative liegt im integrativen, erfrischenden und wirtschaftlich tragbaren Gesamtkonzept.“ Open Piano for Refugees ist eine Erfolgsgeschichte. An rund 70 Standorten in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Dänemark und Schweden wurden bereits Instrumente aufgestellt. Die gesammelten Spenden kommen dem sozialen Musikinstitut DoReMi in Wien zugute. Dort gilt das Modell einer Musikpatenschaft: Einkommensstarke und sozial benachteiligte Menschen oder Personen mit Migrationshintergrund werden paarweise unterrichtet. Jeder zahlt, so viel er kann. Der Andrang ist groß. Aktuell nehmen 170 Schüler Musikunterricht. 110 haben einen Fluchthintergrund oder gelten als sozial benachteiligt.

Idee kam auf Fahrradtour

Die beiden Vorarlberger haben sich in einem Ferienlager kennengelernt. Dort waren sie als Betreuer für Kinder mit sozialen Herausforderungen tätig. Die Idee für Open Piano for Refugees kam ihnen im Jahr 2015. Im Sommer ging es auf eine gemeinsame Fahrradtour durch die Ukraine, Polen und Weißrussland. An belebten Plätzen in Lemberg und Kiew entdeckten Felizeter und Schwendinger Klaviere, die jedem zugänglich waren. Die Idee begeisterte die beiden Freunde sofort. „Wir wollten dieses Konzept auch in Wien ausprobieren“, erzählt Felizeter. Das ursprüngliche Ziel bestand darin, ein Klavier zehn Tage lang aufzustellen. Der Andrang war sofort groß. „Wir sind dann relativ schnell auf einen Flügel umgestiegen.“ Die Initiative zog immer weitere Kreise, gewann mehr und mehr Mitstreiter. 2018 gründeten Felizeter und Schwendinger DoReMi. Zukünftig soll es nicht nur auf Wien beschränkt bleiben. „Wir planen derzeit einen Ausbau in anderen Städten“, erzählt der 29-Jährige.

Amanda Palmer am Flügel

Nach einem Schlüsselerlebnis mit Open Piano for Refugees befragt, muss Felizeter nicht lange überlegen. Zwar gebe es viele eindrückliche Momente. Besonders in Erinnerung geblieben ist dem Bregenzer aber der Auftritt der US-Musikerin Amanda Palmer am öffentlichen Flügel in Wien. Das war kurz vor ihrem eigentlichen Konzerttermin im September des Vorjahrs. „Wir haben angefragt, und sie hat sofort zugesagt. Tausende Leute sahen zu.“ Palmers Ehemann Neil Gaiman, ein britischer Autor, teilte Postings von Open Piano for Refugees in sozialen Netzwerken. Felizeter spricht von einer überwältigenden Erfahrung. „Das war schon genial.“

Nico Schwendinger

Geboren: 7. August 1987

Ausbildung: CEMS/MIM-Programm, Doppel-Masterstudium in International Management an der WU Wien

Wohnort: Wien, ursprünglich Schwarzach

Hobbys: Sport, basteln, lesen

Udo Felizeter

Geboren: 29. März 1990

Ausbildung: Master in Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der BOKU Wien

Wohnort: Wien, ursprünglich Bregenz