35-Stunden-Woche in der Sozialwirtschaft „nicht machbar“

Politik / 30.01.2020 • 11:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Die Arbeitgeber der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) haben der Forderung der Arbeitnehmer nach einer Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich in der Verhandlungsrunde am Mittwoch nicht zugestimmt. Begründet wurde das vor allem mit der Situation in der stationären Langzeitpflege: Die Arbeitgeber sehen die Versorgung in den Pflegeheimen gefährdet, teilten sie am Donnerstag mit.

„Durch den Fachkräftemangel würde eine Arbeitszeitverkürzung die Versorgungslage in den Pflegeheimen akut zuspitzen“, befürchtet SWÖ-Verhandlungsführer Walter Marschitz. „Aus Verantwortung gegenüber den uns anvertrauten Menschen und ihren Angehörigen, aber auch gegenüber den verantwortungsvollen Beschäftigten in diesem Bereich, können wir eine derartige Situation nicht zulassen“, teilte er mit.

Bereits jetzt führe der Personalmangel in Pflegeheimen dazu, dass zahlreiche benötigte Plätze nicht angeboten werden könnten. Diese Situation würde durch eine Arbeitszeitreduktion verschärft werden. Deshalb sei eine Einigung am Mittwoch „nicht machbar“ gewesen.

Als Alternative zu einer Arbeitszeitverkürzung bot die Arbeitgeberseite nun eine Entgelterhöhung in Höhe von 2,35 Prozent an. „Wir sind zuversichtlich, die Lohnverhandlungen auf dieser Basis konstruktiv fortsetzen zu können“, sagte Marschitz. Die Verhandlungstür sehen die Arbeitgeber noch nicht endgültig zugeschlagen, auch bei Fragen der Arbeitszeit.

Für 10. Februar haben die Beteiligten einen weiteren Verhandlungstermin ins Auge gefasst. Sollte es auch dann zu keiner Einigung kommen, haben die Gewerkschaften bereits mit Streiks gedroht. Der Österreichische Gewerkschaftsbund erteilte bereits die Streikfreigabe. Bis dahin sollen Kundgebungen und Demos stattfinden, hieß es nach dem Abbruch der Verhandlungen.

Bei einem anderen Anliegen, nämlich der Reduktion des Fachkräftemangels und der Attraktivierung des Pflegeberufs, sehen sich die Arbeitgeber jedoch „Seite an Seite mit der Gewerkschaft“ kämpfen. Um diese Ziele zu erreichen, soll auch der Dialog mit der neuen Regierung gesucht werden, so die Sozialwirtschaft.