Nichts ist ­selbstverständlich

Politik / 30.01.2020 • 20:15 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Das ist heute nicht das Ende des Brexits, sondern der Anfang jener Phase, in der Bürgerinnen und Bürger die Auswirkungen im täglichen Leben spüren werden.

Das Einzige, was heute ein Ende findet, ist die dreijährige Chaosphase der Entscheidung, das politische Gezerre. Welche Vorzüge und Selbstverständlichkeiten die Bürger der Europäischen Union genießen, werden die Briten erst nach und nach spüren, auch wenn die Briten sich nie voll und ganz in der EU fühlten. Die verbleibenden 27 werden durch den Brexit auch nicht stärker, sondern militärisch wie wirtschaftlich geschwächt. Es wird durch den Brexit auf beiden Seiten Wert vernichtet, niemand wird stärker.

Die Europäische Union ist nach Jahrzehnten der Ausdehnung nun erstmals im Schrumpf-Modus. Heute ist ein schwarzer Tag für den Kontinent, auch für Großbritannien.

Keine Lösungen

Die unendliche Brexit-Geschichte hat uns ein weiteres Mal gelehrt, dass Populisten weite Teile der Bevölkerung in Panik versetzen können, aber genauso wenig Lösungen parat haben, sich aus der Affäre stehlen und nur noch mehr Chaos hinterlassen.

Wie lange wir es uns dieses Mal merken werden? Das vermeintlich Selbstverständliche ist vergänglicher, als uns lieb ist. Nichts ist selbstverständlich. Nicht wirtschaftlicher Erfolg, nicht unser Klima, nicht Europa.

Das vermeintlich Selbstverständliche ist vergänglicher als uns lieb ist.

Gerold Riedmann

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Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.