Beim Notenstreit geht es in Richtung Showdown

Politik / 31.01.2020 • 20:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Lustenauer Notengegnerinnen werden verstanden. Doch die Bildungsdirektion muss letztlich Gesetzestreue einfordern. VN/Paulitsch
Die Lustenauer Notengegnerinnen werden verstanden. Doch die Bildungsdirektion muss letztlich Gesetzestreue einfordern. VN/Paulitsch

Ministerium bleibt hart. Bildungsdirektion soll „Aufstand“ beenden.

Wien, Bregenz Die Gespräche der Bildungsdirektion Vorarlberg mit jenen Lustenauer Lehrerinnen, welche die verpflichtende Ziffernnote vehement bekämpfen und mit der Vergabe eines Einheitszweiers für ihre Drittklässler drohen, sind laut Angaben von beiden Seiten sehr harmonisch und wertschätzend verlaufen. Allein: Es fehlt noch eine klare Lösung.

Die Seite gewechselt

Im Mittelpunkt stand dabei auch eine Pädagogin, die die Seiten wechselte: Susanne Speckle, vor einigen Monaten noch Direktorin an der Volksschule Feldkirch-Tisis und als solche im großen Kreis jener, welche die alternative Leistungsbeurteilung ohne Ziffernnote praktizieren ließ. Jetzt ist sie in der Bildungsdirektion auch für den Bereich Volksschule zuständig und muss helfen, die Ex-Kolleginnen aus Lustenau letztlich dazu zu überreden, ihren Protest gegen die Ziffernnote aufzugeben. „Für mich persönlich ist das nicht einfach, weil ich die Pädagoginnen gut verstehe. Sie haben uns auf beeindruckende Art und Weise ihre Erfahrung mit der alternativen Beurteilungsform geschildert und gut begründet, warum sie die Ziffernnote nicht wollen.“

Die nunmehrige Schulqualitätsmanagerin sagt aber auch: „Die gesetzlichen Vorschriften müssen beachtet werden.“ Sie verweist auf die Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche und auch auf die zu den Ziffernnoten zusätzlich verpflichtenden schriftlichen Beurteilungen. „Die Leistungsbeurteilung umfasst auch diese Aspekte. Wir streben keine Konfrontation an. Wir unterstützen die Schule und wollen unbedingt mit den Eltern sprechen.“ Noch bleibt bis zur Ausfertigung der Zeugnisse eine knappe Woche Zeit. „Die Schulnachrichten können ja noch kurz vor der Verteilung geschrieben werden“, will der pädagogische Chef der Bildungsdirektion, Andreas Kappaurer, noch keinen Druck aufbauen.

Ministerium bleibt hart

Im Bildungsministerium lässt man keinen Zweifel daran, dass die verpflichtende Ziffernnote ab Ende der zweiten Klasse Volksschule bleibt. Minister Heinz Faßmann schließt eine Diskussion auf Regierungsebene aus. Faßmann im O-Ton: „Die Note steht nicht allein. Eine Note ist vielschichtiger als eine Zahl. Daher habe ich immer gesagt: Es braucht eine zusätzliche verbale Beurteilung.“ Die schriftliche Erläuterung könne sich an Pensenbüchern, Portfolios oder auch an Pilot-Kompetenzrastern orientieren. Derzeit würden 60 Pilotschulen den Kompetenzraster ausprobieren.

Martin Netzer, Generalsekretär im Bildungsministerium, plädiert dafür, die pädagogischen Inhalte wichtiger zu sehen als die Note. „Ich appelliere auch an die Akzeptanz demokratisch zustandegekommener Gesetze“, wendet sich der gebürtige Schrunser dabei konkret an die Gegner der Ziffernnote. Klar ist der Auftrag an die Bildungsdirektion Vorarlberg. Sie soll im Land umsetzen, was in Wien beschlossen wurde. VN-HK