Vorwahl-Chaos in Iowa

Politik / 04.02.2020 • 22:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Caucus-Teilnehmer tragen sich in eine Liste ein. Bei den Demokraten kam es zu einer Auszählungspanne. AP
Caucus-Teilnehmer tragen sich in eine Liste ein. Bei den Demokraten kam es zu einer Auszählungspanne. AP

Schwere Panne: Demokraten können längste Zeit kein Ergebnis vorlegen. Trump spottet.

des moines Die erste Vorwahl der Demokraten im US-Präsidentschaftsrennen ist im Chaos versunken: Die Partei sah sich nach der wegweisenden ersten Abstimmung im Bundesstaat Iowa nicht in der Lage, Ergebnisse zu veröffentlichen. Zu Redaktionsschluss am späten Dienstagabend lag immer noch nichts vor. Die Vorwahl in Iowa, von der traditionell eine große Signalwirkung ausgeht, führte wegen der Verzögerung zu einer Kontroverse zwischen den demokratischen Bewerbern.

Iowas Parteichef Troy Price sagte Dienstagnacht zu Journalisten, die Ergebnisse würden „später am Tag“ bekanntgegeben. Stimmen würden per Hand überprüft. Die Demokraten hatten die Verzögerung zuvor mit „Qualitätskontrollen“ begründet. Bei drei Datensätzen gebe es Ungereimtheiten. Es handle sich nicht um einen Hackerangriff. US-Medien berichteten, eine App zur Erfassung von Ergebnissen habe Probleme bereitet.

Streit um Deutung

Unter den Kandidaten begann unterdessen der Kampf um die Deutungshoheit. Der frühere Bürgermeister von South Bend, Pete Buttigieg, sagte vor Anhängern in Des Moines, nach allen Anzeichen gehe er „siegreich“ in die nächsten Vorwahlen im Bundesstaat New Hampshire, die am Dienstag stattfinden. Das Wahlkampfteam von Senator Bernie Sanders reagierte prompt und veröffentlichte interne Zählungen, wonach Sanders nach Auszählung von allerdings nur 40 Prozent der Wahlbezirke in Iowa vorne liegt. Den Angaben des Sanders-Teams zufolge ist Buttigieg an zweiter Stelle, dahinter Senatorin Elizabeth Warren. Der als einer der Favoriten gehandelte Ex-Vizepräsident Joe Biden schaffte es demnach nur auf einen schwachen vierten Platz. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Auszählungspanne bei den Demokraten als „völliges Desaster.“ Der Amtsinhaber spottete: „Nichts klappt, genauso wie sie das Land regiert haben.“

Bei Parteiversammlungen stimmten Demokraten und Republikaner in Iowa am Montagabend darüber ab, wen sie für den besten Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei halten. Das Prozedere bei diesen „Caucus“-Treffen ist kompliziert und unterscheidet sich deutlich von Abstimmungen per Wahlzettel. Die Vorwahlen in Iowa sind die ersten in den USA im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Parteien. Trump gewann erwartungsgemäß mit überwältigender Mehrheit die erste Vorwahl der Republikaner. Er hat keine ernstzunehmenden Herausforderer.

Großes Bewerberfeld

Bei den Demokraten gibt es ein großes Bewerberfeld. Insgesamt waren es fast 30 Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur, 17 sind bereits ausgestiegen, elf sind noch übrig. Auf nationaler Ebene liegt in Umfragen seit langem in wechselnden Konstellationen ein Führungstrio vorne: der moderate Ex-Vizepräsident Biden sowie die beiden linken Senatoren Sanders und Warren. Die eigentliche Präsidentschaftswahl steht am 3. November an.

„Völliges Desaster. Nichts klappt, genauso wie sie das Land regiert haben.“