„Ich verstehe den Unmut“

Politik / 05.02.2020 • 21:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mehr Autonomie für die  Schule wünscht sich Barbara Schöbi-Fink. VOL
Mehr Autonomie für die  Schule wünscht sich Barbara Schöbi-Fink. VOL

Trotzdem verlangt Schullandesrätin Einhaltung der Gesetze und plant Faßmann-Besuch.

Bregenz Barbara Schöbi-Fink wünschte sich einen Zustand wie vor dem umstrittenen Gesetz. Sie sei in der Causa Notenkonflikt in ständigem Kontakt mit der VS Lustenau-Kirchdorf und mit der Bildungsdirektion. Beim Minister will sie für Vorarlberger Weg kämpfen.

 

Wie stehen Sie zu den Aktionen von VolksschullehrerInnen gegen die verpflichtende Ziffernnote?

Schöbi-Fink Viele unserer Volksschulen haben sich in einem jahrelangen und intensiven Prozess mit der verbalen Beurteilung beschäftigt. Knapp drei Viertel der Volksschulen haben sie angewendet. Ich verstehe den Unmut vieler Pädagoginnen und Pädagogen, die sich seit vielen Jahren sehr kompetent und seriös damit auseinandergesetzt haben und die alternative Beurteilung bis in die dritte Klasse zu praktizieren pflegten.

 

Wurden Sie bisher persönlich in dieser Sache kontaktiert?

Schöbi-Fink Ich wurde bei Schulbesuchen und Sprechstunden auf die Thematik angesprochen. Außerdem wurde ich vom Verein „Gemeinsam Zukunft lehren“ über die Petition in Kenntnis gesetzt. Ich bin zudem in engem Kontakt mit dem Schulleiter der Volksschule Lustenau-Kirchdorf sowie mit der Bildungsdirektion.

 

Was sollen die Pädagogen in dieser Situation tun?

Schöbi-Fink Ich bitte die Pädagogen, den Weg des Dialogs mit der Bildungsdirektion nicht zu verlassen und einen gesetzeskonformen Weg in der Beurteilung zu finden. Um eine Gesamtsicht in Vorarlberg zu erhalten, plane ich einen Erfahrungsaustausch mit interessierten Direktorinnen und Direktoren sowie der Bildungsdirektion.

 

Die Neos fordern ungeachtet der gesetzlichen Lage eine bedingungslose Unterstützung des Landes für die rebellierenden VS-LehrerInnen. Wie kommentieren Sie das?

Schöbi-Fink Wenn das so stimmt, dann sei es mir erlaubt, anzumerken, dass ich mich schon wundere, wenn eine demokratisch gewählte Partei die Landesregierung dazu auffordert, eine ungesetzliche Vorgangsweise vorbehaltlos zu unterstützen. Stellen wir uns vor, es ginge um ein anderes Thema. Ich muss mich doch als Bürgerin und Bürger darauf verlassen, dass demokratisch entstandene Gesetze für jede und jeden gelten.

 

Was wird passieren, wenn die LehrerInnen der VS Lustenau nicht nachgeben und der Einheitszweier tasächlich im Zeugnis steht?

Schöbi-fink Die Bildungsdirektion für Vorarlberg wird bei einem Verstoß gegen das derzeit geltende Gesetz rechtliche Schritte gegen den Schulleiter einleiten müssen. Wie diese konkret ausschauen, das kann die Bildungsdirektion beantworten. Wir gehen jedoch davon aus, dass es eine gesetzeskonforme Benotung geben wird, da es schon mehrere Gespräche mit dem Direktor, den Lehrpersonen und den Eltern gegeben hat.

 

In welchen Bereichen würden Sie sich Entscheidungsfreiheit fürs Land und den Schulstandort wünschen?

Schöbi-fink Ich würde es begrüßen, wenn die Art der Beurteilung – so wie in den vergangenen Jahren, bis zum Halbjahreszeugnis der dritten Klasse – wieder in die Autonomie der Schule kommt.

 

Werden Sie in der Sache Ziffernnotenzwang einmal im Ministerium vorstellig?

Schöbi-fink Zu diesem Thema war ich schon mehrmals im Bildungsministerium. Ich werde demnächst in einem Arbeitsgespräch mit Minister Faßmann die Situation in Vorarlberg diskutieren. Es wäre wünschenswert, wenn den Schulen bei der Beurteilung die Autonomie bis zum Halbjahreszeugnis in der dritten Klasse wieder zurückgegeben werden könnte. Dann wären wir wieder beim Vorarlberger Weg, der bis vor einem Jahr von vielen Schulen beschritten wurde.

Für die Vorarlberger Schüler gibt es bald eine Schulnachricht. APA
Für die Vorarlberger Schüler gibt es bald eine Schulnachricht. APA