Grüner Ex-Klubobmann schönte eigenen Wikipedia-Eintrag

Politik / 06.02.2020 • 09:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Adi Gross erblickt in seinem auf Wikipedia nachzulesenden Werdegang störende Halbwahrheiten und wollte diese teilweise löschen. VN

Adi Gross versuchte vergeblich seinen Lebenslauf in der Online-Enzyklopädie nachjustieren.

Bregenz „Whitwashing.“ So nennt man Versuche, die Politiker manchmal unternehmen, um ihre Werdegänge in der Online-Enzyklopädie zu verschönern oder unangenehm erscheinende Beschreibungen zu löschen oder nachzujustieren. Dazu zählt auch Adi Gross als einstiger Klubchef der Grünen im Landtag. Gross hatte nämlich versucht, seinen Werdegang und Lebenslauf in der Enzyklopädie teilweise zu löschen. Konkret ging es dabei um die politische Kontroverse um seine Rückkehr in den Landesdienst. Thomas Planinger, führendes Mitglied von Wikipedia Österreich, machte dem Vorhaben nicht nur einen Strich durch die Rechnung, via Twitter informierte er auch die Öffentlichkeit.

Gelöschtes ist wieder online

Die politische Kontroverse rund um fragwürdige Aspekte bei der Rückkehr des Vorarlberger Grünen-Politikers und Neo-Bundesrates Gross in den Landesdienst ist damit um eine Episode reicher. Das Problem bei solchen Schritten ist, dass Veränderungen von Einträgen bei Wikipedia immer genau dokumentiert werden und für alle registrierten Wikipedia-User auch im Nachhinein nachvollziehbar sind, sofern man weiß, wo man nachsehen muss. Das ist im vorliegenden Fall möglich. Die Löschungsversuche durch einen für Wikipedia ursprünglich unbekannten User fanden am Dienstag gegen 19 Uhr statt. Beim Lebenslauf von Gross schlug der Versuch fehl. Dass diese nachträglich versuchten Löschungen von besonderer Pikanterie sind zeigt der Umstand, dass die Versuche des ursprünglich nicht bekannten Users ausgerechnet von Planinger verhindert wurden. Planinger ist Wikipedia-Autor, -Administrator und sitzt im Vorstand von WikimediaAT. Der gebürtige Vorarlberger ist Wirtschaftsrechtler und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für öffentliches Recht der WU. Planinger hat den gelöschten Absatz, der sich auch auf die Berichterstattung von VN und Vorarlberg Online (VOL.AT) bezieht, innerhalb weniger Stunden wieder online gestellt.

Gross: „Tendenziös und verzerrt“

„Hier geht es nicht um eine politische Debatte, mich stören die Halbwahrheiten, die in diesem Beitrag vorkommen. Das kann ich so nicht hinnehmen, weil es so nicht stimmt“, zeigte sich Adi Gross auf Anfrage von VOL.AT hörbar verärgert und bestätigt im Gespräch gleichzeitig, dass er selbst die Änderung vornehmen wollte. Es gehe ihm um Teilwahrheiten, die „tendenziös und verzerrt“ dargestellt würden und dies bringe ihn in den Zusammenhang mit Unredlichkeit. Im Übrigen sei seine Rückkehr in den Landesdienst ein ganz normaler Vorgang gewesen, betonte Gross.