„Viele Eltern verlangen Noten“

Politik / 06.02.2020 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Taschner sieht politische Bildung bei Geschichte gut aufgehoben. VN/Stiplovsek
Taschner sieht politische Bildung bei Geschichte gut aufgehoben. VN/Stiplovsek

ÖVP-Bildungs­sprecher verteidigt die Ziffernnoten.

Schwarzach Rudolf Taschner ist ein spätberufener Politiker. Der Universitätsprofessor der TU Wien kandidierte 2017 erstmals für die ÖVP und zog in den Nationalrat ein. Auch in dieser Legislaturperiode sitzt er wieder im Parlament. Der Bildungssprecher der ÖVP war am Donnerstag in Vorarlberg zu Besuch und sprach mit den VN über Minister Faßmann, den Notenstreit und erklärte, weshalb es kein eigenes Schulfach Politische Bildung braucht.

 

Sie waren 2017 als Bildungsminister im Gespräch. Wären Sie es gerne geworden?

Taschner Das waren gewisse Medien, die das aufgebracht haben. Bitte nicht ernst nehmen. Ich bin froh, dass ich das bin, was ich bin.

Sind Sie mit der Arbeit des Ministers zufrieden?

Taschner Ja. Ich habe vor den Regierungsverhandlungen gesagt: Ich hoffe, dass die Bildungspolitik so gemacht wird, wie es der Minister Faßmann gemacht hat. Am besten, er macht es selber. Man muss faktenbasiert vorgehen, muss wissen, was die Probleme sind, muss analysieren. Das macht er sehr gut.

 

Doch das wirft man Faßmann vor. Dass er mehr politisch agiert, statt wissenschaftlich.

Taschner Nein, da hat man ihn missverstanden. Wissenschaftlich agiert er sehr wohl. Gerade in der Bildungswissenschaft gibt es ja Spruch und Gegenspruch ohne Ende. Die wahre Expertise der Bildung liegt bei jenen, die sie durchführen.

 

In Vorarlberg macht er das genau nicht. Wenn zum Beispiel an 130 von 175 Volksschulen Lehrer für eine alternative Beurteilung sind und Wahlfreiheit fordern.

Taschner Oh ja, er hat auf die gehört. Er sagte ja: Ihr habt die Möglichkeit, zusätzlich die alternative Beurteilung anzuwenden. Wir hatten in der vorigen Regierung einen Partner, der unbedingt die Ziffernnote wollte. Das ist natürlich eine politische Entscheidung, aber auch ein vernünftiger Kompromiss. Ihr könnt mit eurer alternativen Beurteilung weitermachen, aber ihr gebt zusätzlich auch eine Note. Es ist auch gut für die Eltern, wenn eine Note gegeben wird. Viele Eltern verlangen das.

 

Gäbe es die Ziffernnote auch, wenn 2017 nicht die FPÖ Koalitionspartner gewesen wäre?

Taschner Ja, gäbe es auch.

 

Wie lautet das Bildungsziel der ÖVP für Drittklässler? Geht es um Hard Skills wie Lesen, Rechnen, Schreiben? Oder auch um Soft Skills?

Taschner Man kann nicht nur Soft Skills unterrichten. In unserer Schule ist es aber Gott sei Dank auch nicht so wie in Korea, wo man nur auf Hard Skills setzt. Lesen, Schreiben und Rechnen sind wichtig. Aber am wichtigsten ist Nummer vier: das Denken. Soft Skills und Hard Skills sind kein Entweder -oder, sondern das muss man im Verbund sehen. Wir haben ja auch Turnen und Musik. Das sind ganz wichtige Fächer.

 

Das Fach Politische Bildung fand sich schon in vielen Regierungsprogrammen. Warum gibt es das Fach noch nicht?

Taschner Wenn Geschichte richtig unterrichtet wird, ist es dabei. Wenn man römische Geschichte lehrt, kann man sehr viel wiederfinden, was heute passiert. Das gilt auch für die Französische Revolution. Natürlich muss man die Gegenwartspolitik auch beschreiben. Das Fach heißt ja jetzt auch schon Geschichte, Sozialkunde und politische Bildung.