Lage im syrischen Idlib spitzt sich zu

Politik / 09.02.2020 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Rebellen bereiten einen Angriff auf Assads Truppen vor.AP
Rebellen bereiten einen Angriff auf Assads Truppen vor.AP

Das türkisch-russische Zusammenspiel ist schwer belastet.

Wien Im Nordwesten Syriens liegt bei Idlib das letzte Schlachtfeld von Syriens neunjährigem Bürgerkrieg. Auf engstem Raum sind alle zusammengedrängt, die vom Islamistenaufstand gegen den autoritären Baschar al-Assad übrig geblieben sind. In diesem letzten Aufgebot kämpfen recht viele europäische Dschihadisten gegen Bodentruppen des Regimes von Damaskus, die russische Luftunterstützung erhalten. Dazwischen eingesprengt sind türkische Vorposten. Auch sie geraten beim Angriff auf die letzte Enklave der Rebellen unter Feuer und werden jetzt aus Ankara aufgerüstet.

Damit schlägt in Idlib die Stunde der Wahrheit für das taktische Zusammenspiel des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit seinem russischem Amtskollegen Wladimir Putin. Dieses hat es auf Erpressung der USA abgesehen, von denen sie schon tiefe Differenzen in der Palästina-, Syrien- und Libyenpolitik trennen. Von einer russischen Delegation, die am Samstag in Ankara die Gegensätze beim Vorgehen in Idlib ausbügeln sollte, ist inzwischen keine Rede mehr. Stattdessen erklärte am Sonntag Erdogans Kriegsminister Hulusi Akar in der regimenahen Tageszeitung „Hürriyet“: „Die Türkei wird notfalls im Alleingang ihre Pläne für Idlib durchsetzen.“

Assad-Vormarsch nahe Idlib

Das Land der Ölberge und Weingärten nördlich vom Orontes zählte ursprünglich eineinhalb Millionen Einwohner. Zu ihnen kamen dann noch einmal so viele Flüchtlinge aus ganz Syrien. Idlib wurde daher im Mai 2017 mit dem Astana-Abkommen zwischen der Türkei, Russland und Iran zur „Entspannungszone“ erklärt. Diese Erklärung blieb jedoch auf dem Papier, sodass Ankara und Moskau im Oktober 2019 in Sotschi erneut auf Feuereinstellung pochen mussten und zu ihrer Überwachung zwölf türkische „Beobachtungsposten“ eingerichtet haben. Beim Assad-Vormarsch auf Sarakeb immer näher an Idlib heran wurden aber nun drei dieser Posten in die Kämpfe hineingezogen.