CIA und BND spionierten über 100 Staaten aus

Politik / 11.02.2020 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Über 100 Staaten sollen ausspioniert worden sein. AFP
Über 100 Staaten sollen ausspioniert worden sein. AFP

Eine Schweizer Verschlüsselungsfirma gehört den Geheimdiensten.

Washington Der Bundesnachrichtendienst und der US-Auslandsgeheimdienst CIA haben nach Medienberichten mittels einer Verschlüsselungsfirma über Jahrzehnte hinweg mehr als 100 Staaten ausgespäht. Das bestätigten von führenden BND- und CIA-Mitarbeitern verfasste Akten, die das ZDF, die „Washington Post“ und das Schweizer Fernsehen auswerteten. Im Zuge der Recherchen hat der Schweizer Bundesrat bereits eine Untersuchung veranlasst. Den Berichten zufolge verließen sich Regierungen in aller Welt bei der Verschlüsselung ihrer Kommunikation auf die Schweizer Firma Crypto AG – im Unwissen darüber, dass diese seit 1970 in Besitz der CIA und des BND gewesen sei und die Geheimdienste in der Lage waren, die Verschlüsselung zu knacken.

Im Handumdrehen zu knacken

Der „Washington Post“ zufolge weisen die ausgewerteten Unterlagen darauf hin, dass mehr als 120 Länder zwischen den 1950er- und den 2000er-Jahren Verschlüsselungstechnik der Firma verwendeten. Als die CIA und der BND in Besitz der Firma gewesen seien, hätten sie Millionen daran verdient. Das ZDF zitiert die ausgewerteten Papiere mit den Worten: „Die jährliche Gewinnausschüttung (…) wurde dem BND-Haushalt zugeschlagen.“ Der „Spiegel“ nannte die Crypto AG in einem Artikel 1996 die „allererste Adresse bei den Heimlichkeitswerkzeugen“. Darin berichtete das Magazin auch, dass deutsche und amerikanische Geheimdienste im Verdacht stünden, „bis Ende der achtziger Jahre Cryptos Schutzgeräte so manipuliert zu haben, dass ihre Codes im Handumdrehen zu knacken waren“.

Nach den Recherchen erlangte die deutsche Bundesregierung Kenntnis über Menschenrechtsverletzungen, etwa während der Militärdiktatur in Argentinien, wo Tausende Regimegegner zum Beispiel aus Hubschraubern lebendig ins Meer geworfen worden waren. Zu den Kunden der Crypto AG hätten nicht nur Militärjuntas in Lateinamerika, sondern auch der Iran, Indien, Pakistan und der Vatikan gezählt. Die „Washington Post“ fasst zusammen: Die USA und ihre Verbündeten hätten die Leichtgläubigkeit anderer Staaten ausgenutzt, sie ihres Geldes und ihrer Geheimnisse beraubt.

Der frühere Kanzleramtsminister Bernd Schmidbauer (CDU) bestätigte dem ZDF die Geheimdienstoperation. Der BND habe die Zusammenarbeit mit der CIA demnach aber 1993 beendet.