„Migrationstreibende“ Faktoren rund um Europa

Politik / 12.02.2020 • 20:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
EU-Weit sind die Asylanträge 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent gestiegen, heißt es im Innenressort. AFP

Innenressort: Weniger Asylanträge 2019. Jetzt werden es wieder mehr.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Immer weniger Asylwerber stellen in Österreich einen Asylantrag. Die Lage sei allerdings volatil, sagt Wolfgang Taucher, Leiter der Gruppe Asyl und Rückkehr im Innenministerium. So würden aktuell rund 120.000 Asylsuchende auf der Balkanroute gezählt. Die Lage in der Türkei, wo sich etwa vier Millionen Flüchtlinge aufhielten, spitze sich zu, ebenso in Nordsyrien und im Iran. Das alles seien migrationstreibende Faktoren, erklärt Taucher. EU-weit sei die Zahl der Anträge im Vergleich zum Vorjahr schon um 13 Prozent gestiegen. Ob auch auf Österreich wieder größere Fluchtbewegungen zukommen werden, kann der Beamte des Innenressorts nicht beantworten. 

Im vergangenen Jahr haben hierzulande 12.511 Asylwerber einen Asylantrag gestellt. Somit ist die Zahl der Ansuchen grundsätzlich gesunken, mit einem Minus von neun Prozent allerdings deutlich geringer als 2018 (minus 44 Prozent). Taucher gibt außerdem zu bedenken, dass die Antragszahlen Ende des Jahres wieder gestiegen seien. Antragsstärkster Monat war der Dezember mit über knapp 1200 Ansuchen. Der Trend setze sich fort. So wurden im heurigen Jänner schon über 1500 Anträge gestellt. Das sind um 48 Prozent mehr als im Jänner 2019. Rund 40 Prozent aller Ansuchen stammen von Afghanen und Syrern. Unter den Top-10-Nationen finden sich auch Nigerianer, Georgier und Inder, die kaum Asylchancen haben. Insgesamt bleiben die Antragszahlen auf vergleichsweise niedrigem Niveau. 2018 wurden knapp 13.800 Ansuchen gestellt, 2017 waren es rund 24.700, 2016 über 42.200 und 2015 mehr als 88.300.

2019 wurden fast 9500 Personen Asyl zuerkannt, 10.100 Mal ein Titel rechtskräftig verwehrt. Subsidiären Schutz erhielten knapp 2200 Personen, rund 1900 einen humanitären Aufenthaltstitel. Besonders gute Aussichten auf Asyl haben Syrer (89 Prozent Anerkennung) und Iraner (rund 66 Prozent). Beim subsidiären Schutz stehen die Afghanen an der Spitze. Ende des Jahres waren in erster Instanz noch 3700 Anträge zur Bearbeitung übrig geblieben. Insgesamt gab es 12.245 Ausreisen, 45 Prozent davon waren freiwillig. Der Rest wurde abgeschoben. Wie Taucher hervorhob, waren von letzterer Gruppe davor 46 Prozent straffällig geworden.

Insgesamt befinden sich aktuell rund 30.000 Personen mit laufendem Asylverfahren in der Grundversorgung, über 1000 davon in Vorarlberg. Mehr als ein Drittel der Asylwerber, knapp 11.400, ist in Wien untergebracht.