Was Freizeitsportler jetzt dürfen und was nicht

Politik / 16.04.2020 • 07:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Was Freizeitsportler jetzt dürfen und was nicht
Ausritte in Gruppen und Reitunterricht sind bald wieder möglich. VN/LERCH

Bundesregierung stellt Lockerungen ab 1. Mai in Aussicht.

wien Freizeitsportler können sich über die nächsten Lockerungen freuen. Finden ihre Aktivitäten im Freien statt, können sie bald wieder loslegen – allerdings eingeschränkt. Ab 1. Mai dürfen erste Sportstätten öffnen. Als Beispiele nannte Sportminister und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) etwa Leichtathletik, Tennis, Golf, Reiten, Bogenschießen und Segelfliegen. Laufen, Wandern und Radfahren waren bisher schon möglich. Kogler mahnt bei diesen Aktivitäten aber weiterhin zu Vorsicht. Genaue Details zu den anstehenden Lockerungen stehen noch aus. Die entsprechende Verordnung soll kommende Woche aufgelegt werden.

Empfehlungen erarbeiten

Sport sei in diesen schwierigen Zeiten wichtig, sagte Kogler bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Man müsse aber mit Hausverstand vorgehen. Daher sei vor allem bei Mannschafts- und Kampfsportarten noch Geduld gefragt. Das Motto laute: „So viel wie möglich zulassen, so wenig wie möglich einschränken“, betonte der Sportminister. Einzelsportarten, bei denen ein direkter Kontakt nicht stattfindet, würden aktuell bevorzugt. Die bereits bestehenden Sicherheitsregeln bleiben aufrecht, beispielsweise der Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Sportlern. Für die Festlegung weiterer Empfehlungen und Richtlinien seien nun die Fachverbände der verschiedenen Sportarten gefragt. „Wir wollen nicht jeden Quadratzentimeter des sportlichen Lebens regeln“, hielt der Vizekanzler fest.

Hans Niessl, der Präsident der Bundes-Sportorganisation Sport-Austria, bezeichnete den Ausstieg aus den Betretungsverboten für Breitensportanlagen als nachvollziehbar, äußerte aber auch Kritik. Es stelle sich die Frage, warum man nur Freiluftsportarten erlaube und nicht auch Hallensportarten wie beispielsweise Tischtennis und Badminton, bei denen automatisch ein großer Abstand gegeben sei. „Selbstverständlich auch hier unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen.“

Außerdem fordert Niessl eine Klärung, ab wann auch Amateursportvereine und Breitensportvereine aller Altersklassen von Mannschaftssportarten in Klein-Gruppen mit ihrem Training beginnen dürfen.

Bogenschießen: Einfach dürften es jene haben, die ihre Freizeit am liebsten mit Bogenschießen verbringen. „Ich kann mir vorstellen, dass wir die Abstandsregeln gut einhalten können”, sagt Manfred Dietrich, Obmann vom Vorarlberger Bogensportverband. Er gehe davon aus, dass es bald österreichweite Beratungen über die neuen Richtlinien geben werde. Da aber auch keine baulichen Maßnahmen nötig seien, sei eine Umsetzung der Vorgaben “mit Hausverstand” gut möglich, meint Dietrich.

Klettern: Klettern in der freien Natur war abseits von Quarantänegebieten nie verboten. Sportminister Werner Kogler hat nur empfohlen, davon Abstand zu nehmen und tut es immer noch, weil Unfälle Rettungskräfte binden könnten. Klettergärten dürfen grundsätzlich wieder öffnen. Sie müssten allerdings die Voraussetzungen schaffen, dass die Abstandsregeln eingehalten werden können, also “darauf achten, dass nicht zu viele Kletterer gleichzeitig die Sportanlage frequentieren”, heißt es im Sportressort.

Laufen/Radfahren: Laufen und Radfahren war bereits unter Einhaltung des Mindestabstands erlaubt. Dieser müsse größer werden, da beim Ausdauersport potenziell infektiöse Tröpfchen weiter fliegen, beruft sich das Sportressort auf eine Studie. So solle auf Laufen und Radfahren im Windschatten verzichtet werden. Beim Laufen brauche es zehn Meter Abstand zum Vordermann, beim Radfahren 20 Meter.

Wandern/Bergsteigen: Grundsätzlich ist es erlaubt, wandern zu gehen und Berge zu besteigen. „Nicht alles, was nicht explizit verboten wurde, ist in der jetzigen Situation aber ratsam, wünschenswert und verantwortungsbewusst”, hält das Gesundheitsressort in seinen Empfehlungen jedoch fest. Es sei ratsam, Sport im unmittelbaren Umfeld ohne lange Anreise zu betreiben. Die alpinen Vereine empfehlen, vorläufig auf Bergtouren und sportliche Aktivitäten im alpinen Gelände zu verzichten.

Leichtathletik: „Wir müssen uns in Ruhe Gedanken machen, wie wir die Vorgaben in ein geregeltes Training übernehmen können“, sagt VLV-Landestrainer Sven Benning. Er kann sich vorstellen, dass die Trainingsgruppen nicht zu groß sein dürfen. Wichtig seien auch die Laufgeschwindigkeiten und der Abstand zum Vordermann. Ob die Nachwuchsgruppen im Alter von acht oder neun Jahren trainieren können, stehe in den Sternen.

Reiten: Im Pferdesport sind Ausritte in Gruppen sowie Reitunterricht unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln wieder möglich. Die Präsidentin des Pferdesportverbands, Elisabeth Max-Theurer, kündigt dazu noch Empfehlungen an. „Wichtig ist, dass die Trainings wieder starten“, nicht nur für die Reiter, sondern vor allem für die Sportpferde, die nun langsam wieder aufgebaut werden könnten, sagt Alexander Bösch von der Reitanlage Bösch in Rankweil.

Golf: Die Golfer stehen in den Startlöchern, müssen aber noch einige Fragen klären, sagt Markus Kleissl vom Golfclub Lech. Dürfen die Toilettenanlagen öffnen? Müssen Gegenstände wie Rechen im Sand oder Ballwaschgeräte vom Platz? All das sei relativ problemlos umzusetzen, meint Kleissl. Auch die Abstandsregel. Die Golfspieler hielten schließlich ohnehin Distanz. Noch dazu seien auf einem Golfplatz mit 40 Hektar vielleicht 50 Personen gleichzeitig unterwegs.

Tennis: Einschränkungen für den Tennissport nannte Kogler bereits bei der Pressekonferenz. Es liege nahe, dass jeder Spieler seine eigenen Bälle benutzen und nicht jene des Gegners anfassen könne. Dafür könne man die Bälle markieren, sagt Wolfgang Hämmerle, Präsident des Vorarlberger Tennisverbands. Statt Doppel könnte beispielsweise nur noch Einzelspiel erlaubt sein. „Man muss sich außerdem Gedanken machen, wie das Kindertraining funktionieren soll.“

Magdalena Raos, Birgit Entner-Gerhold