Experten sehen die Coronagefahr noch lange nicht gebannt

Politik / 27.04.2020 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Experten sehen die Coronagefahr noch lange nicht gebannt
Am 14. April wurden die ersten Einschränkungen wieder gelockert. Unter anderem durften Baumärkte wieder aufsperren. VN/Paulitsch

Landes- und Bundesregierung rüsten sich für einen möglichen neuen Anstieg.

Hohenems, Wien Die Zahlen sind hervorragend: Kaum Neuinfektionen, immer mehr Genesene, die Politik lockert die Fesseln der Pandemiebekämpfung. Haben wir es überstanden? Nein, betonen Experten. Der deutsche Virologe Christian Drosten warnte vor einer zweiten Welle, sollte die Bevölkerung nicht mehr aufpassen. Public-Health-Experte Armin Fidler unterstreicht diese Warnung. Bundes- und Landesregierung haben eine drohende zweite Welle im Blick.

Um das Virus einzudämmen, gibt es laut Armin Fidler zwei Möglichkeiten: Entweder eine Herdenimmunität oder eine Impfung. Mindestens zwei Drittel der Bevölkerung müssten aber damit immun sein. “Nachdem wir beides noch lange Zeit nicht haben werden, ist das Virus unter uns”, betont Fidler und fügt an: “Wir dürfen es nicht verabsäumen, auf lokale Ausbrüche rasch zu reagieren. Sonst wird sich das Virus schnell ausbreiten.”

Nicht zu locker nehmen

Christian Drosten befürchtet unter anderem, dass sich Menschen oder Firmen nun eigene Spielregeln überlegen, um zu einer Art Normalität zurückzufinden: “Wenn alle anfangen, sich die eigenen Interpretationsspielräume auszulegen, ganz frei, dann starten an vielen Orten plötzlich neue Infektionsketten.” Er warnte bereits vorige Woche von einer neuen Welle.

Die Vorarlberger Landesregierung beschäftigt sich ebenfalls damit, wie die Landespressestelle erklärt. Die Beschränkungen würden deshalb nur behutsam gelöst. Außerdem gibt es weiterhin Plätze für Covid19-Patienten in Krankenhäusern, das Notkrankenhaus im Messeareal und eine Infektionsordination bleiben bestehen, das Besuchsverbot in den Ambulanzen aufrecht. Zudem führe man 300 bis 400 Tests am Tag durch.

Fidler hofft, dass eine zweite Welle aus kleinen Infektionsherde besteht. Denen könnte man mit genauer Beobachtung und vielen Tests Herr werden. “Ein richtiger zweiter Tsunami kann erst dann kommen, wenn wir nicht aufpassen. Wenn man die Tests vernachlässigt, nicht mehr auf soziale Distanzierung im großen Stil achtet und das Virus versteckt ausbricht”, warnt der Experte. Vertreter der Bundesregierung sprechen von einem Glutnest, das sich nicht zu einem Flächenbrand ausbreiten darf. Steigen die Infiziertenzahlen, könnte eine Gemeinde oder ein Bundesland unter Quarantäne gestellt werden. Das ganze Land soll nicht mehr von einem Shut Down betroffen sein, wie es aus Regierungskreisen heißt. Bei Bedarf werde nur punktuell zugesperrt.

Rasch anpassen

Man habe die erste Welle gemeistert und wisse, wie es geht, sagt Armin Fidler. Allerdings würde das bei einem großen Anstieg der Infektionen auch bedeuten, dass viele Freiheiten wieder zurückgenommen werden müssten. “Das wäre traurig für uns alle.” Auch die Landespressestelle betont, dass alle Lockerungen unter dem Vorbehalt stehen, dass sich die Infektionen auf niedrigem Niveau halten. “Die Lockerungen können relativ rasch wieder angepasst werden.” 

Auch international ist die zweite Welle Thema. Österreich, Tschechien, Israel, Dänemark, Australien, Neuseeland und Griechenland schlossen sich zusammen, um aus den Erfahrungen im Kampf gegen Covid19 zu lernen. Israels Premier Benjamin Netanyahu berichtete, dass auch über eine mögliche zweite Infektionswelle gesprochen wurde. Demnach war die Verwendung von Mobilfunkdaten Thema, auch die smarte Quarantäne in Tschechien. Bestandteil des Systems sind Landkarten, die Hygieniker mit Handy- und Bankkartendaten zusammenstellen. Vorausgesetzt die Besitzer stimmen zu.

Michael Prock, Birgit Entner-Gerhold

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