Birgit Entner-Gerhold

Kommentar

Birgit Entner-Gerhold

Warten bis 2173?

Politik / 29.07.2020 • 23:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die Geschichte wiederholt sich und wiederholt sich und wiederholt sich. So ist das mit dem täglich grüßenden Murmeltier. So ist es aber auch mit dem Equal Pension Day. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich dieser dank Schaltjahr um einen Tag verbessert. Heuer findet er österreichweit am 30. Juli statt. Bis dahin haben Männer im Durchschnitt bereits so viel Pension erhalten, wie sie Frauen bis Jahresende bekommen werden. Das bedeutet 42 Prozent weniger Rente oder eben 153 Tage Ungerechtigkeit.

An Tagen wie diesen gehört es also zum guten Ton, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit zu fordern. Oder darauf hinzuweisen, wie wertvoll die Tätigkeit in den systemerhaltenden Branchen ist, die mehrheitlich von Frauen mit eher dürftigen Löhnen und Gehältern am Leben gehalten werden. Am Ende ertönt dann auch noch Applaus für die viele unbezahlte Arbeit, die Frauen verrichten. Danke, sehr nett. Und dann? Dann ist der Equal Pension Day fertig zelebriert.

In der Folge ändert sich aber wenig und das auch nur im Schneckentempo. Nicht einmal eine neue Zeitverwendungsstudie, welche die Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen transparenter auflisten würde, scheint ein Ding der Möglichkeit zu sein. Die Regierenden in Österreich sehen seit über zehn Jahren von einer solchen Erhebung der Eurostat ab. Aus Angst vor dem Ergebnis? Man kann ja nur mutmaßen.

Es ist jedes Jahr das Gleiche. Und tatsächlich ist es auch nicht sehr einfallsreich, immer wieder über die hohen Teilzeitquoten von Frauen, die Karrierebrüche durch die Kinderbetreuung sowie die geringe Karenzbeteiligung von Männern und das fehlende automatische Pensionssplitting zu schreiben. Doch leider ist es notwendig. Der Equal Pension Day ist gerade ein Auftrag dafür. Denn er zeigt, wo all das enden kann.

Viele Frauen leben in Altersarmut, da sich Kinderbetreuung, Teilzeitarbeit oder schlechtere Bezahlung nicht sonderlich positiv auf dem Pensionskonto niederschlagen. Mit der Coronakrise droht sich die Lage zu verschärfen. Eine Studie der Universität Wien zeigt, dass Frauen ihre Arbeitszeit auch bei gleichem Erwerbsausmaß stärker an die Familienerfordernisse anpassten als Männer. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit durch die Covid19-Krise betrifft zu 85 Prozent Arbeitnehmerinnen, wie Zahlen des AMS zeigen. Da helfen auch die Ankündigungen im Regierungsprogramm zum automatischen Pensionssplitting, zur höheren Einkommenstransparenz, zu mehr Kinderbetreuungsplätzen, größerer Unterstützung bei der Pflege und zur Teilnahme an der Zeitverwendungsstudie nichts. Es fehlt die Umsetzung.

Bis Jahresende sind es jetzt noch 153 Tage und jeder einzelne Tag davon muss eine Mahnung sein. Würde nur jedes Jahr einer gutgemacht, hätten Pensionistinnen und Pensionisten erst in 153 Jahren die gleiche Durchschnittspension. Es wäre ein zu langer Weg, wenn unsere Nachfahren erst zu Silvester im Jahr 2173 gleichberechtigt die Korken knallen lassen könnten.