Präsidentschaftswahl unter neuen Vorzeichen

Politik / 03.11.2020 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wähler stimmen in einem Wahllokal in Charlotte (North Carolina) ab. AFP
Wähler stimmen in einem Wahllokal in Charlotte (North Carolina) ab. AFP

Trump gegen Biden: USA stimmten ab. Zunahme der Briefwahl.

washington Der republikanische Amtsinhaber Donald Trump (74) oder sein demokratischer Herausforderer, der frühere Vizepräsident Joe Biden (77): Am Dienstag konnten die US-amerikanischen Wahlberechtigten darüber entscheiden, wen sie für vier weitere Jahre an der Spitze ihres Landes sehen möchten. Mit ersten Ergebnissen wurde nach Redaktionsschluss in der Nacht auf Mittwoch oder in den Morgenstunden gerechnet. Zuvor war fraglich, ob es nicht zu Verzögerungen bei der Auszählung kommen und daher am Wahltag noch gar nicht feststehen könnte, wer Sieger ist. Die Verantwortlichen im wichtigen Swing State Pennsylvania haben beispielsweise daher gewarnt, dass sich die Auszählung bis Freitag hinziehen könnte. Der Grund: Eine massive Zunahme der Briefwahlstimmen wegen der Coronakrise.

Schon im Vorfeld haben fast 100 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben, wie das „U.S. Elections Project“ berichtete. Das entspricht etwas über 70 Prozent der 2016 bei der Präsidentenwahl abgegebenen Stimmen. Entweder sie wählten in bereits geöffneten Wahllokalen oder per Briefwahl. Bei der letzten US-Wahl hatten insgesamt 137 Millionen US-Amerikaner gewählt. Umfragen legten nahe, dass die in den Wahllokalen abgegebenen Stimmen eher zugunsten Trumps ausfallen würden, Briefwahlstimmen eher für Biden. Trump hatte mehrmals Zweifel am System der Briefwahl geäußert und den Verdacht geäußert, dass sie Wahlbetrug begünstigen könnte. Beweise legte er allerdings keine vor.

Mehrere Zeitzonen

Der Wahltag am Dienstag startete in kleinen Orten im US-Bundesstaat New Hampshire. Die Vereinigten Staaten erstrecken sich über mehrere Zeitzonen. Die letzten Wahllokale in Alaska sind am Mittwoch bis sechs Uhr in der Früh nach österreichischer Zeit geöffnet, auf den Aleuten sogar noch bis sieben Uhr.

Im Finale des Wahlkampfs sagte Trump, sein Konkurrent Biden werde die USA mit neuen Corona-Auflagen in einen „Gefängnisstaat“ verwandeln. „Eine Stimme für Biden ist eine Stimme für Lockdowns, Entlassungen und Elend“, sagte der Republikaner.  Biden warf dem Präsidenten wiederum vor, bei der Eindämmung der Coronapandemie vollkommen versagt zu haben. Er spalte die Nation und spiele die Amerikaner gegeneinander aus. Trump sei der „korrupteste“ und „rassistischste“ Präsident der Geschichte. Biden hat keine neuen Lockdowns angekündigt, sondern versprochen, im Falle seines Wahlsieges bei der Bekämpfung der Pandemie auf Wissenschafter zu hören. „Wenn ich zum Präsidenten gewählt werde, werden wir Covid unter Kontrolle bekommen“, versprach Biden. In einem Land, in dem Wahlen in der Regel friedlich verlaufen, befürchten viele, dass es diesmal wegen der aufgeheizten Stimmung zu Vandalismus kommen könnte.

Keine direkte Wahl

Die US-Bürger waren dazu aufgerufen, den Präsidenten, die 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses sowie rund ein Drittel der 100 Mandate neu zu bestimmen. In vielen Bundesstaaten gab es auch örtliche Abstimmungen. In den USA wird der Präsident nicht direkt gewählt. Der Wahlsieger in einem Bundesstaat gewinnt dort die Stimmen der Wahlleute. Diese wählen dann im Dezember den Präsidenten. Um die Wahl zu gewinnen, braucht ein Kandidat mindestens 270 Stimmen. Trump bewirbt sich um eine zweite und verfassungsgemäß letzte Amtszeit. Biden war unter dessen Vorgänger Barack Obama Vizepräsident. In den letzten Tagen des Wahlkampfs hatten sich beide Kandidaten um die strategisch wichtigen Swing States wie Pennsylvania, Michigan oder Florida konzentriert. Dort steht im Vorhinein nicht fest, ob der Kandidat der Republikaner oder jener der Demokraten gewinnt. Es wird dort also oft sehr knapp.

Alle Entwicklungen in der Wahlnacht auf Mittwoch finden Sie live auf VN.at.

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