Biden auf der Zielgeraden

Politik / 06.11.2020 • 23:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dem Präsidenten zufolge wollen ihm die Demokraten die Wahl „stehlen“. Beweise blieben aus. Mehrere Fernsehsender unterbrachen die Live-Übertragung. AP
Dem Präsidenten zufolge wollen ihm die Demokraten die Wahl „stehlen“. Beweise blieben aus. Mehrere Fernsehsender unterbrachen die Live-Übertragung. AP

Zitterpartie um US-Wahl im Finale. Trump äußert erneut Betrugsvorwürfe.

washington Die Zitterpartie um die Auszählung der Stimmen der Präsidentschaftswahl in den USA war am Freitag zu Redaktionsschluss gegen 23 Uhr noch immer nicht zu Ende. Doch der Wahlsieg von Herausforderer Joe Biden wurde immer wahrscheinlicher. Im äußerst wichtigen Bundesstaat Pennsylvania lag der Demokrat bei der Auszählung der Wahlzettel gut 13.600 Stimmen vor Amtsinhaber Donald Trump, wie CNN und Fox News berichteten. Zuvor hatte Biden bereits im umkämpften US-Staat Georgia die Führung übernommen. Trump sprach erneut von Wahlbetrug.

Neuauszählung in Georgia

Nach dem Wahltag am Dienstag war Trump in Pennsylvania zunächst weit vor Biden gelegen. In den folgenden Tagen holte Biden aber immer mehr auf, weil zunehmend Briefwahlstimmen demokratischer Wähler ausgezählt wurden. Sollte Biden den Bundesstaat mit seinen 20 Wahlleuten tatsächlich gewinnen, wäre er auch Gesamtsieger der Präsidentschaftswahl. In Georgia schob sich Biden am Freitag knapp am US-Präsidenten vorbei. Allerdings könnte neu ausgezählt werden müssen. „Mit so einer geringen Differenz wird es in Georgia eine Neuauszählung geben“, kündigte Wahlleiter Brad Raffensperger in Atlanta an. Biden kommt nach letztem Stand auf mindestens 253 der 270 Wahlleute, die er für einen Sieg braucht. Trump hatte am Freitagabend je nach Medium 213 oder 214 Wahlleute sicher. Auch in den Schlüsselstaaten Arizona und Nevada stand das Ergebnis noch aus, allerdings lag auch dort Biden vorne. Trumps Wahlkampfteam warnte davor, den Demokraten bereits jetzt zum Wahlsieger auszurufen – was bisher kein großer US-Sender getan hat. „Diese Wahl ist nicht vorbei“, erklärte Wahlkampf-Anwalt Matt Morgan. Trump erhob erneut den Vorwurf, die Demokraten wollten ihm den Wahlsieg stehlen. „Wenn man die legalen Stimmen zählt, gewinne ich mit Leichtigkeit. Wenn man die illegalen Stimmen zählt, können sie versuchen, uns die Wahl zu stehlen“, sagte der Präsident. Er bezog sich damit vor allem auf die Auszählung von Briefwahlstimmen.

In mehreren Staaten geklagt

Bei seinem Auftritt im Presseraum des Weißen Hauses legte Trump keinerlei Belege für seine Betrugsvorwürfe vor. Mehrere Fernsehsender unterbrachen die Live-Übertragung. Trumps Team hat angesichts der Entwicklung in mehreren Staaten Klage gegen die Auszählung eingereicht. Der Präsident hatte sich bereits in der Wahlnacht zum Sieger erklärt und juristische Schritte angekündigt, was auch international als Angriff auf den demokratischen Wahlprozess gewertet wurde.

Zwar stellten sich prominente Republikaner wie Lindsey Graham hinter Trump, es gab aber auch Kritik an seinem Vorgehen. Der Abgeordnete Will Hurd nannte Trumps Aufruf zu einem Stopp der Stimmenauszählung „gefährlich und falsch“. Biden rief seinerseits zur „Ruhe“ auf. Er habe „keine Zweifel“, dass er nach Auszählung aller Stimmen die Wahl gewinnen werde, sagte er. Nach Trumps Äußerungen schrieb Biden auf Twitter: „Niemand wird uns unsere Demokratie wegnehmen. Nicht jetzt, und niemals.“ Einem Bericht der „Washington Post“ zufolge plante der Secret Service eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen für den 77-Jährigen. Vor Wahlzentren in den USA versammelten sich Trump-Anhänger. In Phoenix führte der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker Alex Jones eine bewaffnete Gruppe an. In Las Vegas forderten Trump-Unterstützer, dass sie die Wahlzettel sehen wollten. In Pennsylvania wurden vor einem Wahlzentrum zwei bewaffnete Männer festgenommen.

„Niemand wird uns unsere Demokratie wegnehmen. Nicht jetzt, niemals.“

Der Herausforderer rief zur Ruhe auf und gab sich siegesgewiss. Der Secret Service erhöhte die Sicherheitsvorkehrungen. Reuters
Der Herausforderer rief zur Ruhe auf und gab sich siegesgewiss. Der Secret Service erhöhte die Sicherheitsvorkehrungen. Reuters

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