„Die Weihnachtsferien sollten verlängert werden“

Politik / 14.11.2020 • 05:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Großangelegte Studie mit Gurgeltest an den Schulen: Im Zeitraum 28. September bis 22. Oktober waren 40 von etwa 10.000 Teilnehmern positiv. <span class="copyright">APA</span>
Großangelegte Studie mit Gurgeltest an den Schulen: Im Zeitraum 28. September bis 22. Oktober waren 40 von etwa 10.000 Teilnehmern positiv. APA

Kinder- und Jugendanwalt Rauch richtet Vorschlag an die Politik. Dieser sei verfrüht, sagt Bildungslandesrätin Schöbi-Fink.

Wien Keine Schulschließungen für Kinder bis 14 Jahre lautet die Empfehlung der Corona-Ampelkommission. Das ist auch der Appell des Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalts Michael Rauch. Er befürchtet schwere Folgen wie seelische Beeinträchtigung und Bildungsverlust der Kinder und Jugendlichen im Land. Alternativ schlägt Rauch vor, die Weihnachtsferien zu verlängern. Sie könnten auf den 18. Dezember vorgezogen werden und bis 10. Jänner dauern. Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) hält wenig davon.  

Umstrittene Schließung 

Ob alle Schulen zusperren müssen, war bis Freitag in der Bundesregierung umstritten. Das Bundeskanzleramt hat sich bei der Empfehlung der Ampelkommission der Stimme enthalten. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) tritt seit Längerem für einen strikteren Kurs bei den Bildungseinrichtungen ein. Gegenwind kommt von den Grünen. „Es kann nicht sein, dass zwar alle Schulen schließen, aber Produktionsbetriebe weiterlaufen“, erklärte Landesrat Johannes Rauch (Grüne). Die Ampelkommission empfiehlt Maßnahmen, um den Schulbetrieb für Zehn- bis 14-Jährige zu ermöglichen: Schnelltests, Maskenpflicht im Unterricht, Staffelung der Öffnungszeiten, Nutzung größerer Räume. 

„Jeder Tag ist ein Verlust“ 

Den Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch stört es, dass die Einschränkungen an Schulen so stark im Mittelpunkt stehen, während andere Bereiche deutlich weniger intensiv betrachtet werden. Gleiches kritisiert Landesrätin Schöbi-Fink. „Schulen haben sich im Gesamtkontext des Infektionsgeschehens als relativ sichere Orte herausgestellt.“ Wie es nun weitergehe, wisse sie nicht. „Wir haben uns in den vergangenen zwei Wochen massiv in die Diskussion eingebracht. Wie Bildungsminister Heinz Faßmann aber schon sagte: Entscheiden wird das Gesundheitsressort mit dem Bundeskanzleramt.“ Schlussendlich regiere das Virus. Wenn Schulen bei der Eindämmung einen Beitrag leisten müssen, werde das so sein. Jedes gelindere Mittel wäre Schöbi-Fink aber recht. Zumindest Kinderbetreuung, Kindergärten und Volksschulen sollten offen bleiben, sagt sie.

Von dem Vorschlag verlängerter Weihnachtsferien hält die Landesrätin wenig. „Mir erschließt sich der Nutzen nicht.“ Bis zum 18. Dezember dauere es noch fünf Wochen. Das sei aus heutiger Sicht lange. Der Vorschlag komme also zu früh. „Vor allem nutzen verlängerte Ferien nichts, wenn sich rundum das Leben abspielt und alles außer den Schulen offen ist.“ 

Kinder- und Jugendanwalt Rauch hofft auf ein Einlenken. „Mit den verlängerten Weihnachtsferien wäre eine längere Pause möglich.“ Es gingen nur wenige Schultage verloren, die man im kommenden Jahr nachholen könnte, sagt er. Der Bildungs- und Betreuungsverlust wäre überschaubar, wobei es für berufstätige Eltern auch in der Weihnachts- und Neujahrszeit Angebote geben müsse.  

Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit 

Arbeitnehmer, die bei ihren Kindern zu Hause bleiben müssen, weil die Schule oder der Kindergarten schließen, erhalten einen Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit. Gleiches gilt, wenn sich das Kind in Quarantäne befindet. Dann muss aber zuerst der Pflegeurlaub aufgebraucht werden. Der Rechtsanspruch soll am Freitag im Nationalrat beschlossen werden.

Rechtsanspruch besteht nur, wenn die Betroffenen trotz allen Bemühens keine alternative Betreuungsstruktur gefunden haben. Er steht nicht nur Arbeitnehmern zu, die sich um ihre Kinder kümmern müssen, sondern auch jenen, die sich um behinderte oder pflegebedürftige Personen sorgen, zum Beispiel wenn die 24-Stunden-Betreuung fehlt. Die Betriebe erhalten die gesamten Lohnkosten ersetzt. Laut Gesetzesentwurf soll die Regel bis Ende des Schuljahres 2020/21 gelten. Die Sonderbetreuungszeit kann auch tage- oder halbtageweise geltend gemacht werden 

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