Lukaschenko hält Protesten noch stand

Politik / 15.11.2020 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vermummte Sicherheitskräfte in Aktion.

Vermummte Sicherheitskräfte in Aktion.

Mehr als 150 Festnahmen bei neuen Demos in Weissrussland.

Minsk Bei neuen Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko in Belarus in Weißrussland sind vermummte Sicherheitskräfte am Sonntag massiv gegen Demonstranten vorgegangen. In der Hauptstadt Minsk setzten Uniformierte Tränengas und Blendgranaten gegen friedliche Demonstranten ein, wie Videos im Nachrichtenkanal Telegram zeigen. Auf diese Weise lösten sie einzelne Kundgebungen auf. Es gab mehrere Verletzte.

Proteste laufen seit 99 Tagen

Zu sehen war, wie Demonstranten vor schwarz gekleideten Uniformierten wegrannten oder Festnahmen verhindern wollten. Immer wieder prügelten Sicherheitskräfte auf Menschen ein. Auf den Straßen waren Uniformierte mit Sturmgewehren zu sehen. Am frühen Nachmittag (Ortszeit) sprach die Menschenrechtsgruppe Wesna von mehr als 150 Festnahmen. Mehrere Tausend Menschen waren in größeren Gruppen in Minsk unterwegs. Aktionen gab es auch in anderen Städten. Erneut waren wieder etwa 15 Metro-Stationen in Minsk gesperrt, damit Demonstranten nicht ins Stadtzentrum gelangen konnten. Auch das mobile Internet war weitgehend abgeschaltet – diesmal bereits am Morgen. Damit wollten es die Behörden erschweren, sich zu Versammlungen zu verabreden. Zudem waren mehrere Straßen und Plätze teils mit schwerer Technik abgeriegelt. In der Hauptstadt waren viele Gefangenentransporter zu sehen. Seit der Präsidentenwahl am 9. August steckt das Land in einer schweren innenpolitischen Krise. Der 66-jährige Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen.

Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an. Die Opposition sieht die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als wahre Gewinnerin. Sie floh aus Angst um ihre Sicherheit ins EU-Land Litauen. Es war der mittlerweile 99. Protesttag. Die Demonstranten erinnerten dabei an den Tod eines 31-Jährigen Mitstreiters vor wenigen Tagen. Der Mann, den die Demokratiebewegung als Helden verehrt, soll überfallen worden sein. Nur einen Tag später starb er an seinen Verletzungen.

Großdemonstration mit Gesichtsmasken.

Großdemonstration mit Gesichtsmasken.

Friedlich marschiernde Demonstranten zu Tausenden auf den Straßen von Minsk. AFP
Friedlich marschiernde Demonstranten zu Tausenden auf den Straßen von Minsk. AFP

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