Trump und der Ärger mit der Müllabfuhr

Politik / 15.11.2020 • 22:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Eine Woche nach dem Wahltag kehrt die amerikanische Bundeshauptstadt langsam wieder zu so etwas wie ihrem Normalzustand zurück: Die Sonne scheint, es ist über 20 Grad warm, und Noch-Präsident Donald Trump beschäftigt die Gerichte.

Im verzweifelten Versuch, seine Haut zu retten und trotz Mehrheitskündigung durch die US-Wähler als eine Art Hausbesetzer weiterhin mietfrei in seiner Dienstwohnung an der Pennsylvania Avenue wüten zu können, verklagt Trump diverse Wahlbehörden wegen angeblichen Wahlbetrugs. Dazu zettelte er noch einen Rechtsstreit mit der Stadtverwaltung von Washington an, um sich vor einer überfälligen Rechnung in Höhe von mehr als 43 Millionen Dollar zu drücken. Die sind für städtische Strom-, Wasser- und Gaslieferungen, sowie für polizeiliche Sicherheitsmaßnahmen angefallen, die von anderen US-Präsidenten immer pünktlich bezahlt worden sind.

Auf die Müllabfuhr-Kosten, die vor seiner Haustür bei den Jubelfeiern der Hauptstädter nach dem Wahlsieg seines Konkurrenten Joseph Biden entstanden, hat Bürgermeisterin Muriel Bowser dagegen großzügig verzichtet. Denn das Einsammeln von Party-Resten mit allerlei Flaschen, Dosen, Konfetti und anderem Feier-Abfall ist ausweislich des Wahlergebnisses in der Hauptstadt garantiert nicht den Trump-Anhängern anzulasten: In Washington stimmten mehr als 94 Prozent aller Wähler für Biden, und damit so viel wie in keiner anderen Stadt des Landes.

Mit viel Getöse wird die Hauptstadt derweil wieder in ihren Normalzustand zurückversetzt: Nachdem Trump vor der Wahl immer wieder vor „Aufständen, Plünderungen und Brandschatzungen“ durch „Anarchisten und sonstigem Mob“ gewarnt hatte, war die Innenstadt in eine Art Festung verwandelt worden. Und jetzt legen fleißige Hände die mit Brettern vernagelten Schaufenster und verbarrikadierten Türen wieder frei.

In ihre Villen und sonstige Wohnungen im Großraum Washington zurückgekehrt sind inzwischen etliche betuchte und sehr verängstigte Trump-Anhänger und -Förderer, die sich vor dem Wahltag vor den erwarteten „linken Protest-Revoluzzern“ in Sicherheit gebracht hatten. Sie „überlebten“ das Wahlgetümmel im Weltuntergangscamp „Fortitude Ranch“ im nahegelegenen West Virginia. Etwa 100 Vereinsmitglieder erwarteten in Bunkern die Anarchie, die dann aber ausblieb. Nach Angaben des Fortitude-Vereins, der in mehreren Bundesstaaten solche Festungen unterhält, war die Ranch in Virginia mit „großen Waffen- und Munitionsvorräten sowie Nahrungsmitteln“ ausgerüstet, die den Geflüchteten für mehrere Jahre das Überleben sichere.

Ohne Gewaltakte und Lebensgefahren wird wohl auch das nächste Washingtoner Spektakel ablaufen: Am 3. Dezember darf der abgewählte Präsident Trump zum letzten Mal die Beleuchtung des am Weißen Haus aufgestellten „Nationalen Weihnachtsbaums“ einschalten und den Startschuss für ein gigantisches Feuerwerk geben. Trotz der derzeitigen Jubelmeldungen über einen bald zu erwartenden Corona-Impfstoff soll es statt der traditionellen Großveranstaltung mit vielen Hundert Ehrengästen nur eine im Fernsehen übertragene „Familienfeier“ werden. Zur Freude der Bürgermeisterin sind deshalb wohl keine größeren Probleme mit der Müllabfuhr zu erwarten.

„Ohne Gewaltakte und Lebensgefahren wird wohl auch das nächste Washingtoner Spektakel ablaufen.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at

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