Lehren aus Heimsuchungen

Politik / 16.11.2020 • 22:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Wahlsieg des amerikanischen Bald-Präsidenten Joseph Biden ist in trockenen Tüchern und jetzt ist es Zeit, sich auch mit anderen wichtigen Themen zu beschäftigen. Nur beispielsweise ganz dringend mit der Corona-Sache und den Lehren, die Regierende und Regierte in so ziemlich allen Weltgegenden aus gegenwärtigen Heimsuchungen ziehen müssen.

Dazu gehört die überfällige Einsicht, dass Verherrlichung von Populisten, Verführern und Konspirations-Akrobaten sehr schnell die Humanität und das Sozialgefüge zerstört und mehr als nur lebensgefährlich, nämlich massenhaft tödlich werden kann. Wie in den USA, in denen dem demnächst Ex-Präsidenten Trump mit seiner Verharmlosung einer Pandemie und dem Verhindern von Rettungsmaßnahmen das vermeidbare Sterben von Zehntausenden von Menschen anzulasten ist.

Nicht nur in den USA muss sich das „gemeine Volk“ kollektiv bewusst werden, dass Masken-Pflicht und Bewegungs- und Reisebeschränkungen bis hin zu Lockdown-Maßnahmen schlicht und einfach Menschenleben retten. Natürlich sind ein Fetzen Stoff im Gesicht ungewohnt, das Eingesperrtsein in den eigenen vier Wänden bedrückend, Nicht-Genehmigungen von Massendemonstrationen  gewöhnungsbedürftig und der Verzicht auf Festgelage nicht „normal“. Aber wer das nicht will, nimmt billigend in Kauf, dass der Ruf nach „Freiheit wie bisher“ in Pandemiezeiten letztlich nur das Verlangen nach einem Persilschein fürs unkontrollierte Umbringen ist. Und kaum tauchen Impfstoffe von Virus-Infektionen auf, wird gleich vorsorglich demonstriert. Denken diese Ohne-mich-Typen einmal daran, wie die Welt etwa ohne Pocken- und Polio-Schutzimpfungen aussehen würde? Und da wir schon bei Corona-Impfstoffen sind: Ein besonders vielversprechender wurde von Deutsch-Türken, einem muslimischen Ehepaar, entwickelt. Ob das der xenophobische Noch-US-Präsident weiß? Ob es auch die Fremdenfeindlichen in anderen Weltgegenden wissen, die sich bei Corona- und anderen Erkrankungen von Ärzten und anderen Hilfsbereiten helfen lassen, die anders aussehen als sie selbst? Von denen etliche „Freiheits-Demonstranten“ angesteckt wurden und die ihren Einsatz mit dem eigenen Leben bezahlen mussten.

Nichts als Stoff zum Nachdenken. Über die Lehren, die wir aus Heimsuchungen ziehen sollten. Es eilt. Es geht um Menschen­leben.

„Und kaum tauchen Impfstoffe von Virus-Infektionen auf, wird gleich vorsorglich demonstriert.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at

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