Corona: In St. Gallen gibt es noch Kapazitäten

Politik / 18.11.2020 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Corona: In St. Gallen gibt es noch Kapazitäten
Die Lage in der Schweiz ist angespannt. AFP

Intensivstationen: Spitalssprecher ortet Stabilisierung. Medizinerin schlägt Alarm.

SCHWARZACH Wer sich bei Fachleuten in der Schweiz erkundigt, wie denn die Coronalage sei, bekommt die Frage zurück, was in Österreich passiere: „Da hört man ja auch einiges.“ Grenzen sorgen also auch im 21. Jahrhundert dafür, dass man nicht viel übereinander weiß. Einzelne Informationen können unter diesen Umständen umso größere Wellen schlagen. Isabella Eckerle von der Schweizer Gesellschaft für Intensivmedizin teilte Dienstagabend über den Nachrichtendienst Twitter mit: „Alle zur Verfügung stehenden Intensivbetten für Erwachsene in der Schweiz sind nun belegt.“ Weder für Corona- noch für andere Schwerkranke gebe es noch Kapazitäten. In kurzer Zeit machte Eckerle damit Schlagzeilen; und zwar international.

Die Lage sei „angespannt“, hatte zuvor auch schon die St. Galler Kantonsärztin Danuta Zemp berichtet und betont, dass sich das in erster Linie auf das Personal beziehe. Die Behandlung von Corona-Patienten sei schließlich sehr aufwendig. Laut SRF-Lagebericht von Mittwoch sind die zertifizierten Betten schweizweit „praktisch ausgelastet: Es bestehen aber noch zusätzlich geschaffene Kapazitäten.“

Regula Weik vom „St. Galler Tagblatt“ weist auf regionale Unterschiede hin: „In der Westschweiz ist die Situation anders. Dort gibt es Kantone, die am Limit sind und in denen auch Patienten in andere Spitäler verlegt werden müssen.“ In der Ostschweiz würden nach wie vor Spielräume bestehen: „Es ist nicht so, dass Patienten abgewiesen werden müssen.“

Philipp Lutz, Sprecher des St. Galler Kantonsspitals, liefert Details: Auf einem Drei-Stufen-Plan zur Bewältigung der Pandemie befinde man sich derzeit bei Stufe B. Also auf der mittleren „Alarmstufe“, um es zugespitzt zu formulieren. Am Kantonsspital liegen laut Lutz 20 Corona-Patienten auf der Intensivstation. Die Zahl sei seit einigen Tagen „auf hohem Niveau stabil“. Insgesamt würden derzeit 48 Intensivplätze zur Verfügung stehen. Würde es zu höchsten Alarmstufe (C) kommen, könnte man 58 bereitstellen. „Das heißt, wir sind auf einer Zwischenstufe zur maximal möglichen Variante. Aktuell sieht es aber nicht danach aus, dass wir auf diese maximale Variante ausbauen müssten.“

Allerdings: Auch in St. Gallen müssen „Wahleingriffe“, die nichts mit der Pandemie zu tun haben, aber eine intensivmedizinische Behandlung erfordern, verschoben werden. Im Übrigen bleiben auch abseits von Corona sehr viele Fälle, die nicht warten können. Und außerdem sieht Lutz nicht Betten und Beatmungsgeräte als begrenzte Ressource, sondern Ärzte und Pfleger: „Auch 300 Beatmungsgeräte nützen nichts, wenn das Fachpersonal fehlt.“ Dennoch: „Im Kantonsspital St. Gallen verläuft der Betrieb trotz dieser Herausforderungen immer noch sehr kontrolliert und geregelt ab“, so der Sprecher.

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