Wasserwerfer und Widerstand

Politik / 18.11.2020 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Klopapier statt Mund-Nasen-Schutz.

Klopapier statt Mund-Nasen-Schutz.

Verstöße gegen Corona-Auflagen: Polizei löst Demo in Berlin auf.

berlin Wegen hartnäckiger Proteste von Gegnern der deutschen Coronapolitik hat die Polizei in Berlin erstmals seit Jahren Wasserwerfer eingesetzt. Grund war laut der Behörde, dass Tausende Demonstranten die Regeln zur Eindämmung der Pandemie missachteten. Sie wollten auch nach erklärtem Ende der Versammlung nicht weichen.

Am Rande der Proteste, die kurz vor einer Bundestagsdebatte zum Schutz der Bevölkerung in Pandemie-Zeiten begannen, kam es vereinzelt zu Rangeleien zwischen Polizisten und Demonstranten. Laut Polizei wurde eine dreistellige Zahl von Menschen festgenommen. Über Stunden hinweg kamen immer wieder Wasserwerfer zum Einsatz. Viele Menschen harrten unter Schirmen, Kapuzen und Planen aus. Auch Kinder waren darunter. Die Demonstranten wichen nur langsam, Meter um Meter, zurück. Erst am späten Nachmittag begannen vermehrt Teilnehmer, teilweise nass und mit roten, tränenden Augen, abzuziehen.

An die 7000 Teilnehmer

Polizeisprecherin Anja Dierschke sagte, nach einer ersten vorsichtigen Schätzung hätten sich rund 7000 Menschen am Brandenburger Tor versammelt. Wie dpa-Reporter berichteten, waren unter den Demonstranten zwar auch erkennbar Rechtsextreme und sogenannte Reichsbürger. Die Mehrheit stellten sie nicht: Wie schon bei vielen der sogenannten Hygiene-Demos kam eine bunte Mischung an Menschen aus allen Altersgruppen zusammen.

Laut Polizei blieben die Aufforderungen zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz und zum Abstandhalten wirkungslos. Neun Kollegen seien beim Einsatz verletzt worden. Beamte seien mit Flaschen, Steinen und Böllern beworfen sowie mit Pfefferspray angegriffen worden. „Sie setzten ihrerseits körperlichen Zwang sowie Pfefferspray ein und nahmen einige Angreifende fest“, hieß es. Insgesamt waren rund 2200 Polizisten im Einsatz.

Mehrere angemeldete Demonstrationen direkt vor dem Reichstagsgebäude hatte das deutsche Innenministerium mit Hinweis auf eine mögliche Beeinträchtigung der Parlamentsarbeit verboten. Im Plenum des Bundestages wurde am Mittag über die staatlichen Maßnahmen in der Pandemie beraten. Die Polizei sperrte den Bereich daher weiträumig ab.

In der Stadt Leipzig hatten sich erst vor knapp zwei Wochen mindestens 20.000 Demonstranten versammelt. 90 Prozent der Teilnehmer trugen laut Polizei keine Masken. Die Kundgebung wurde aufgelöst, danach erzwangen die Demonstranten einen Gang über den Leipziger Ring. Es kam zu Rangeleien, Böller flogen. Unter den Demonstranten waren auch Gruppen von Neonazis.

Diese Frau protestierte mit Kruzifix.
Diese Frau protestierte mit Kruzifix.
Zum ersten Mal seit Jahren setzte die Polizei Wasserwerfer ein.  Reuters, AFP
Zum ersten Mal seit Jahren setzte die Polizei Wasserwerfer ein.  Reuters, AFP

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.