Schwere Vorwürfe

Politik / 19.11.2020 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Bericht ist Produkt einer vierjährigen Untersuchung. reuters
Der Bericht ist Produkt einer vierjährigen Untersuchung. reuters

Australische Soldaten sollen in Afghanistan Kriegsverbrechen begangen haben.

sydney, kabul Australische Soldaten haben einem Untersuchungsbericht zufolge bei ihrem Einsatz in Afghanistan Kriegsverbrechen begangen. 25 Mitglieder einer Sondereinheit hätten mindestens 39 Gefangene oder Zivilisten „unrechtmäßig“ getötet, sagte der Chef der australischen Verteidigungsstreitkräfte, Angus Campbell, am Donnerstag in Canberra bei der Veröffentlichung eines Berichts zum Verhalten australischer Soldaten im Afghanistan-Krieg. Aufgedeckt worden sei eine beschämende Bilanz einer „egozentrischen Kriegerkultur“. Die Ergebnisse wiesen auf „schwerste Verstöße“ hinsichtlich militärischen Verhaltens und professioneller Werte hin. Campbell entschuldigte sich beim afghanischen Volk „für jegliches Fehlverhalten australischer Soldaten“.

Für den Bericht war der Generalinspektor des australischen Militärs vier Jahre lang Hinweisen auf unrechtmäßige Tötungen und Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht zwischen 2005 und 2016 nachgegangen. Mehr als 400 Zeugen wurden angehört, in 57 Fällen Ermittlungen aufgenommen. Im Bericht werde eine Kultur „toxischen Konkurrenzdenkens“ innerhalb der Sondereinheit skizziert, die dazu geführt habe, dass einige Soldaten Verfahren abgekürzt, Regeln ignoriert und gebeugt hätten, sagte Campbell. Keine dieser „unrechtmäßigen Tötungen“ sei „in der Hitze des Gefechts“ passiert. „Jede Person, mit der während dieser Untersuchung gesprochen wurde, verstand das Kriegsvölkerrecht und die Einsatzregeln, unter denen sie im Einsatz war.“

Campbell sagte, einige der 25 verdächtigen Soldaten dienten noch immer bei den Streitkräften. Jüngere Soldaten seien gezwungen worden, Gefangene zu erschießen, um auf diese Weise die erste Tötung als Soldat auszuführen. Es seien auch Beweise gefunden worden, die zeigten, dass Soldaten versucht hätten, die Verbrechen zu vertuschen. Empfohlen wurde, 36 Fälle, an denen 19 Personen beteiligt seien, zur strafrechtlichen Untersuchung an die australische Bundespolizei zu verweisen. Zudem sollten die Opfer und ihre Familien entschädigt werden. Der australische Premierminister Scott Morrison hatte vergangene Woche angekündigt, ein Sonderermittler solle mutmaßliche Kriegsverbrechen australischer Soldaten in Afghanistan aufarbeiten und Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen.

1550 Soldaten im Land

Australien hatte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Truppen nach Afghanistan entsandt. Sie waren Teil des von den USA geführten internationalen Militär­einsatzes zum Sturz der Taliban-Herrschaft. Derzeit befinden sich rund 1550 australische Soldaten in dem Land. Die USA verringern mit Blick auf ein angestrebtes Friedensabkommen der afghanischen Regierung mit den Taliban, die wieder große Landstriche beherrschen, derzeit ihre Militärpräsenz in Afghanistan.

Der Chef der Verteidigungsstreitkräfte, Campbell, entschuldigte sich beim afghanischen Volk. reuters
Der Chef der Verteidigungsstreitkräfte, Campbell, entschuldigte sich beim afghanischen Volk. reuters

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