Die Gefahr in den eigenen vier Wänden

Politik / 23.11.2020 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Gefahr in den eigenen vier Wänden
In der ifs-Frauennotwohnung finden derzeit zwölf Frauen Schutz. Eine dritte Außenwohnung steht noch zur Verfügung. DPA

Häusliche Gewalt nahm infolge des ersten Lockdowns zu. Im zweiten zeigt sich bislang keine Verschärfung.

Wien Zu Hause bleiben und niemanden treffen: So  ist es während der Coronakrise am sichersten. Das mag für die meisten zutreffen, für Betroffene von häuslicher Gewalt allerdings nicht. Im zweiten Lockdown zeigt sich bislang keine Verschärfung der Situation, erklärt Ulrike Furtenbach, Leiterin der Gewaltschutzstelle des Instituts für Sozialdienste (ifs). Die Politik bleibt aber alarmiert. Bei akutem Bedarf könnten weitere Frauennotwohnungen geschaffen werden, heißt es im Büro von Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne). Auf Bundesebene findet ab heute, Montag, ein zweitägiger Gewaltschutzgipfel statt. “Jede von Gewalt betroffene oder bedrohte Frau hat in Österreich einen Zufluchtsort. Das ist besonders jetzt in der Lockdown-Zeit wichtig, für die Experten einen möglichen Anstieg von häuslicher Gewalt prognostizieren”, erklärt Frauenministerin Susanne Raab.

Zunahme im ersten Halbjahr

In Vorarlberg folgte auf den ersten Lockdown eine massive Zunahme der Annäherungs- und Betretungsverbote. In den 77 Tagen zwischen dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen und Ende Mai verzeichnete das Land ein Wachstum um mehr als 30 Fälle beziehungsweise 60 Prozent. In den Monaten darauf sanken die Zuwächse, wobei sie weiterhin deutlich waren. Im August und September erließ die Polizei 49 Betretungsverbote, also um zehn mehr als im Vorjahresvergleich. “Im Oktober und November verzeichnen wir bislang keine Steigerung”, sagt Gewaltschutzstellenleiterin Furtenbach. Ob es dabei bleibt, ist unklar. Während des ersten Lockdowns war erst mit Zeitverzögerung eine Zunahme der häuslichen Gewalt zu verzeichnen.

In der ifs-Frauennotwohnung finden derzeit zwölf Frauen Schutz. Eine dritte Außenwohnung mit zwei weiteren Plätzen für Frauen mit Kindern steht noch zur Verfügung. Sollte zusätzlich ein akuter Bedarf entstehen, sei man gerüstet, erklärt Soziallandesrätin Wiesflecker. “Die Zusammenarbeit mit Betrieben aus der Beherbergungsbranche ist ein sinnvoller Schritt, um flexibel auf mögliche Notfälle reagieren zu können.”

Die Hilfsangebote stehen Gewaltbetroffenen uneingeschränkt zur Verfügung. “Wir tun, was zu tun ist und was wir tun können”, sagt Furtenbach. Die Gewaltschutzstelle sei weiterhin offen, egal ob es um Prozessbegleitung, Beratung oder Unterstützung gehe. Vieles würde derzeit zwar telefonisch abgewickelt, bei Bedarf seien aber auch immer persönliche Treffen unter Einhaltung der Coronaschutzmaßnahmen möglich.

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