Für Vorarlbergs Liftbetreiber stirbt die Hoffnung zuletzt

Markt / 25.11.2020 • 05:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Skigebiete im Land fühlen sich für den Saisonstart gerüstet und wollen im Dezember loslegen. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Skigebiete im Land fühlen sich für den Saisonstart gerüstet und wollen im Dezember loslegen. VN/Steurer

Vorarlbergs Seilbahner glauben ungeachtet aller Turbulenzen rund um Corona, die Skisaison starten zu können.

Lech, Schruns, Brand Wenig Freude erweckt hierzulande der Vorstoß aus Rom, zu Weihnachten das Skifahren zu verbieten. Finanzminister Gernot Blümel und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (VP) forderten umgehend Geld aus Brüssel, sollte es zum Verbot kommen. Ein Verbot bedeute Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro. Darüber hinaus wollen sich die Länder in Deutschland auf strenge Vorschriften einigen: Menschen sollen sich vor den Feiertagen in “mehrtägige häusliche Selbstquarantäne” begeben. Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer sieht offenbar keine Hindernisse für weihnachtliches Skifahren in Österreich. Auch in Vorarlberg stirbt die Hoffnung zuletzt. “Das komplette Schließen von Skigebieten steht bei uns nicht zur Debatte”, betont LH Markus Wallner. “Wir brauchen weder aus Italien noch Bayern Zurufe”, meint Landesrat Christian Gantner (VP), der in der täglichen Sendung “Vorarlberg live” von vn.at sowie VOL.AT und Ländle TV am Dienstag zu Gast war.

Am Arlberg hat man nach wie vor den 17. Dezember als Saisonstart im Auge. Vorbehaltlich dessen, dass der Lockdown am 6. Dezember aufgehoben wird und die Infektionszahlen entsprechend sind, will man in Lech und Zürs loslegen. “Und zwar Hotelbetriebe und Seilbahnen”, sagt Hermann Fercher als Tourismusdirektor im Gespräch mit den VN. Mit dem Szenario eines Starts der Saison am 12. Jänner 2021 habe man sich allerdings auch schon beschäftigt. Für Fercher steht fest, dass keine falschen Signale gesendet werden sollten: „Jetzt zu erklären, wir sperren nicht auf, wäre demotivierend.“

Sicherheitskonzepte liegen längst am Tisch

Auch bei der Silvretta Montafon (SiMo) setzt man weiter auf den Saisonstart, Vorschläge wie jene aus Italien oder Bayern will man nicht kommentieren. “Sobald es die Rahmenbedingungen zulassen, nehmen wir den Liftbetrieb auf”, betont Martin Oberhammer als Geschäftsführer und verweist auf Konzepte in Sachen Coronaschutz, die über Monate hinweg erarbeitet wurden und fertig am Tisch liegen.

„Jetzt in aller Öffentlichkeit zu erklären, wir sperren nicht auf, wäre demotivierend.“

Hermann Fercher, Tourismusdirektor Lech-Zürs

In die ähnliche Kerbe schlägt Hannes Jochum, Geschäftsführer der Bergbahnen Brandnertal. Dort gilt nach wie vor der 19. Dezember als Starttermin. Dass ein weiterer Lockdown oder eine Verlängerung des laufenden Shutdowns diese Pläne kreuzen könnte, ist Jochum freilich bewusst. “Unsere interne Hoffnung ist, dass wir bei entsprechender Schneelage wie geplant am 19. Dezember mit Tagesgästen und Einheimischen den Betrieb starten und am 12. Jänner mit Nächtigungsgästen rechnen können.” Auch in Brand könnten die Wintersportler “mit einem hohen Maß an Sicherheit” in Sachen Infektionsschutz vor Corona rechnen, verspricht Jochum.

Großes Walsertal theoretisch nicht rot

Die Ampelkommission ist sich einig: Alle Bezirke und Regionen in Österreich stehen auf Rot. Überall lassen die Coronazahlen keine andere Wahl. Aber wer sich die Unterlagen der Kommission ansieht, stößt auf einen weißen Fleck: das Große Walsertal. Die Fallzahlen sind gering, die risikoadjustierte Sieben-Tages-Fallzahl pro 100.000 Einwohner lag in der Kalenderwoche 45 bei 125,8. Zum Vergleich: In der Region Rheintal/Walgau machte sie 827,3 aus. Dennoch wird die Ampelfarbe einer einzelnen Region nicht umgestellt. Gesundheitsexperte Armin Fidler erläutert: “Das ist nur ein theoretischer Punkt. Da es von Rot umschlossen ist, macht es keinen Sinn, ein Tal anders einzustufen.”

Ein Blick auf die absoluten Zahlen lässt zumindest bei Skifahrern Hoffnung keimen: Zuletzt gab es in der Region sieben Menschen, die aktiv positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Eine Einzellösung für eine Region also? Eher nicht. Tourismuslandesrat Christian Gantner kündigte am Dienstag an, dass es in dieser Frage eine bundesweite Entscheidung geben müsse.

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