Impfquote bestimmt den Erfolg

Politik / 27.11.2020 • 23:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Phase-3-Studie des Biontech/Pfizer-Impfstoffes wurde verteilt auf sechs Länder durchgeführt und hat knapp 44.000 Probanden eingeschlossen. <span class="copyright">RTS</span>
Die Phase-3-Studie des Biontech/Pfizer-Impfstoffes wurde verteilt auf sechs Länder durchgeführt und hat knapp 44.000 Probanden eingeschlossen. RTS

Ob die Normalität im Sommer 2021 zurückkehrt, hängt von mehreren Faktoren ab.

Wien Mehr als die Hälfte der Österreicher würde sich laut einer Umfrage gegen Corona impfen lassen. Das wäre zu wenig, um das Virus auszurotten, sagt Gesundheitsexperte Armin Fidler. „Es braucht 60 Prozent, dass die Transmission abbricht. Dann ist zu wenig Brennmaterial da. Das Feuer geht aus.“

EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen berichtete am Freitag, dass erste Coronaimpfungen im Dezember starten könnten. Bisher hat die EU-Kommission sechs Vorkaufverträge bei den vielversprechendsten Herstellern unterzeichnet. Zwei Milliarden Impfstoffe seien so gesichert. Bis zu 300 Millionen der Impfstoffe werden von Biontech/Pfizer geliefert, bis zu 160 Millionen von Moderna. Deren Impfungen stehen kurz vor der Zulassung. Die Betriebe berichten von einer Wirksamkeit von etwa 95 Prozent. Die bislang bekannten Nebenwirkungen gleichen jener des Grippeimpfstoffs, zum Beispiel Schmerzen an der Injektionsstelle oder einen Tag Fieber, erklärt Gesundheitsexperte Fidler. “Wir dürfen auch nicht den Fehler machen, das Risiko einer Impfung mit einem Nullrisiko zu vergleichen.” Man müsse immer das Risiko zu erkranken und die weiteren Folgen betrachten.  

Arznei-Großhändler gerüstet

Laut Kanzler Sebastian Kurz herrscht mittlerweile Gewissheit, “dass wir ab Jänner beginnen werden zu impfen und im nächsten Sommer zur Normalität zurückkehren können.” Alle Mitglieder des Verbands der österreichischen Arzneimittel-Großhändler rüsten unterdessen ihre Standorte auf, um die unterschiedlichen Anforderungen an die Logistik der Impfstoffe zu erfüllen, wie Vorstandsmitglied Thomas Brosch erklärt: “Bis Jahresende werden wir in der Lage sein, Millionen Impfdosen bei minus 70 Grad zu lagern und zu verteilen.“ Das Gesundheitsministerin erwartet im Jänner und Februar eine Million Impfdosen, von denen zwei pro Person benötigt würden. Im Februar und März sollen weitere zwei Millionen Dosen folgen. Geimpft werden laut Plan der Bundesregierung zunächst Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen, Mitarbeiter der Gesundheitsberufe sowie Hochrisikogruppen. Im zweiten Schritt folgen Berufsgruppen wie Polizisten, Justizmitarbeiter und Lehrer, ab April breitere Bevölkerungsschichten.

Ob im Sommer tatsächlich Normalität herrschen wird, will Experte Fidler noch nicht einschätzen. Das sei vor allem von zwei Faktoren abhängig, zum einen, ob der Impfstoff die Infektiosität oder nur den Ausbruch der Erkrankung verhindere. “Das hat damit zu tun, wie schnell die Pandemie Sauerstoff verliert.” Zum anderen müssten sich ausreichend Menschen impfen lassen. Fidler spricht von einer 60-prozentigen Mindestbedeckung. “Das ist eine Variable, die wir nicht gut kontrollieren können.” Bekanntlich seien die Österreicher die Impfmuffel Europas.

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