Coronakrise wird zur globalen Armutskrise

Politik / 17.03.2021 • 06:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Coronakrise wird zur globalen Armutskrise
Zur humanitären Hilfe in Äthiopien gab Schallenberg im Jänner drei Millionen Euro aus dem Katastrophenfonds frei. Nun folgen weitere zwei Millionen. APA

Bund gibt 13,5 Millionen aus dem Auslandskatastrophenfonds frei.

Wien Würden alle Notleidenden in einem einzigen Land leben, wäre es der fünftgrößte Staat der Welt. Es hätte mehr als 25 Mal so viele Einwohner wie Österreicher. 235 Millionen Menschen sind laut den Vereinten Nationen auf Unterstützung angewiesen. Sie sind Opfer der Klimakrise, von kriegerischen Auseinandersetzungen – und der Coronakrise. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Notleidenden um 40 Prozent angestiegen. 

“Wenn wir die Landkarten von Jänner 2020 mit Jänner 2021 vergleichen, sehen wir, dass Covid19 ein Brandbeschleuniger von Krisen und Konflikten war”, sagt der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg. Zum ersten Mal seit 20 Jahren sei der Anteil der Menschen in extremer Armut angestiegen, auch die Hungersnot habe deutlich zugenommen. “Wir laufen Gefahr, um Jahre zurückgeworfen zu werden.” 

“Planbarkeit erhöht”

Gemeinsam mit Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) kündigt der Minister daher an, die österreichische Hilfsorganisationen mit 13,5 Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds auszustatten. “Damit wird die Planbarkeit und Kontinuität der enorm wichtigen humanitären Hilfe in den Krisenregionen deutlich erhöht”, sagt Kogler. Eine Auszahlung in dieser Dimension habe es seines Wissens nach noch nie gegeben. Sie wird heute, Mittwoch, im Ministerrat beschlossen. Das Geld soll in Uganda, Äthiopien, Mosambik, Burkina Faso, im Libanon, in Jordanien und in der Ostukraine zum Einsatz kommen. 

Den Hilfsorganisationen bereiten vor allem neue Hungersnöte Sorgen. Care-Geschäftsführerin Andrea Barschdorf-Hager berichtet von einer steigenden Zahl von Kinderheiraten, weil viele Familien ihre Mädchen nicht mehr ernähren könnten. Caritas-Generalsekretär Andreas Knapp macht auf die prekäre Lage von Tagelöhnern aufmerksam, die ihren Job in Folge der Krise verloren und keine soziale Absicherung haben. Viele hätten kein Geld für Essen. Mit den versprochenen 13,5 Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds könne man den Herausforderungen gerechter werden, sagt Annelies Vilim Geschäftsführerin der AG Globalen Verantwortung, Dachverband österreichischer Organisationen für Entwicklung und humanitäre Hilfe. Sie ortet aber auch Nachholbedarf.

2019 gab Österreich 0,28 Prozent des Bruttonationaleinkommens für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit aus. ÖVP und Grünen wollen aber in Richtung UNO-Ziel von 0,7 Prozent kommen. Laut Unterlagen des Budgetdienstes wurden für 2020 nur 0,29 Prozent prognostiziert, für 2021 bereits 0,45 Prozent.

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